Artikel zur Landesgartenschau 2010 in der "Brennessel"

Der Bund Naturschutz und die Landesgartenschau 2010

Was bringt die Landesgartenschau für Natur und Umwelt?

Wesentliches Ziel der Landesgartenschau 2010 ist es, die Stadt Rosenheim wieder besser mit den Flüssen Mangfall und Inn zu verbinden. Damit sind positive Effekte für Natur und Umwelt verbunden: Grünflachen werden dauerhaft geschützt und die problematische Nutzung einiger Flächen aufgegeben, der Mühlbach wird streckenweise wieder geöffnet. Neue Brücken schaffen neue Verbindungen für Fußgänger und Radfahrer, Unterführungen an den Mangfallbrücken werden abgeflacht und verbreitert. Somit verbessern sich die Möglichkeiten für Naherholung und umweltfreundlichen Alltagsverkehr. Insbesondere im Auwaldbereich unterhalb der Gervais-Brücke sind deutliche Verbesserungen der Uferstruktur geplant, zu denen übrigens auch der Bund Naturschutz beigetragen hat.

Oft werden die Chancen für Natur und Umwelt aber nicht ausreichend genutzt! An der Nicklwiese hätte man durch eine stärkere Rückverlegung des Mangfalldeiches nicht nur dem Fluss, sondern auch Pflanzen und Tieren am Ufer mehr Raum geben müssen. Ein Biotop am Hammerbach mit seltenen Arten wie Eisvogel und Fledermaus hatte leider einer naturfernen, mit Betonteilen gespickten Kajakstrecke zu weichen. Neue dichte Wohnbebauung und breite Asphaltwege versiegeln Flächen, die man der Natur zurück geben sollte. Immerhin ist der Plan, den Großparkplatz für die Landesgartenschau eventuell in einem Landschaftsschutzgebiet anzulegen, wegen der vielfachen Proteste wohl vom Tisch.

Warum beteiligt sich der Bund Naturschutz an der Landesgartenschau?

Diese Frage erscheint durchaus berechtigt! Denn zu den oben genannten Vorbehalten gegen die Landesgartenschau kommt die Befürchtung, dass die Aktiven andere wichtige Tätigkeiten für einige Zeit hintanstellen müssen.

Andererseits bekommt der Verband auf einer Landesgartenschau die Möglichkeit, sich und seine Ziele einer breiten Öffentlichkeit darzustellen, und zwar in einem positiven Sinn. Er sagt damit auch nicht Ja und Amen zu allem, was bei einer solchen Schau passiert. Vielmehr kann er sich das Ziel setzen, ein natürliches Kontrastprogramm in einer eher gekünstelten Blumen- und Parklandschaft zu bieten. Die BN-Beiträge auf den bisherigen Landesgartenschauen waren meist Attraktionen, wie Artenschutzreferent Dr. Kai Frobel berichtete, der bereits neun Landesgartenschauen mit BN-Beteiligung begleitet hat. Und auch ein Besuch der Landesgartenschau Neu-Ulm mit ausgiebigem Informationsaustausch am BN-Stand hinterließ einen positiven Eindruck.

Die Kreisgruppe Rosenheim hat daher einen klaren Beschluss zur Beteiligung an der Landesgartenschau gefasst. Eine kreisweite Projektgruppe „Landesgartenschau“, geleitet von Michael Hertel, wurde ins Leben gerufen. Sie stellt die vorher von der Ortsgruppe Rosenheim getragenen Arbeiten auf eine breitere Basis. Daneben haben sich schon einige Gruppen gebildet, die sich um spezielle Themen kümmern.

Welche Projekte will der Bund Naturschutz bei der Landesgartenschau realisieren?

Diese Frage ist eng mit dem Standort des BN im Auwaldgelände nördlich der Gervais-Brücke verknüpft, der einige Projekte erst möglich macht. Dieser Platz ist einerseits für einen Naturschutz-Verband durchaus attraktiv, andererseits aber nicht sicher gegen Hochwasser. Die Unterkunft, ein einfacher 6-Eck-Holzpavillon, steht deshalb erhöht. Die Projekte auf dem Landesgartenschau-Gelände stehen unter dem Motto „Am Fluss ist Leben“.
 
Fluss und Auwald
In der Nähe des Standorts wollen wir die typischen Elemente einer natürlichen Flusslandschaft zeigen. In enger Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt und der Stadt Rosenheim werden dazu bei der Mangfall-Aufweitung im Auwald naturgemäße Strukturen wie Kiesbänke und Altwasser-Rinnen eingebracht. Neu angesiedelte standort-typische Uferpflanzen ergänzen die vorhandene Vegetation. Auf die Besonderheiten aus Flora, Fauna und Geologie möchten wir aber bewusst nicht in Form einer „Tafelausstellung“ aufmerksam machen. Vielmehr sollen Rahmen aus Holz in unterschiedlicher Größe und Lage die Objekte in den Fokus rücken. Stichworte an diesen sogenannten „Auwaldbildern“ wecken beim Besucher Neugier, sodass dieser im BN-Pavillon nach einer Erklärung für das Gesehene forscht. Dort gibt es zu jedem Objekt Fotografien mit näheren Erläuterungen.

Ein Schwerpunkt: der Biber
Ein Magnet, gerade für Kinder, soll ein Gehege mit jungen Bibern nahe am BN-Pavillon sein, ausgestattet mit Weiher und Burg. Dabei handelt es sich um Tiere, die nicht in der Wildnis aufgewachsen sind, sondern aus anderen Gehegen stammen, sodass man sie auch tagsüber zu Gesicht bekommen kann.
Im BN-Pavillon wollen wir sachlich über den Biber informieren und auch Konflikte und deren Lösungsmöglichkeiten zur Sprache bringen. Geplant ist eine Video-Übertragung aus dem Biber-Bau. Ferner werden die Ergebnisse der Biberkartierung dargestellt (siehe Artikel in dieser Brennessel).

Natur-Spielelemente
Im Auwaldbereich werden verschiedene Spielgeräte mit Bezug zur Natur aufgebaut, z. B. eine Libellen-Stange (Kletterstange) und ein Spinnennetz. Zum großen Teil können wir dabei dankenswerterweise auf Elemente zurückgreifen, die auf der Landesgartenschau in Neu-Ulm von der dortigen Kreisgruppe präsentiert wurden. Wie beim Thema Biber wollen wir hier über die Kinder auch die Erwachsenen erreichen.

Stadtökologischer Lehrpfad
In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Rosenheim soll ein stadtökologischer Lehrpfad entstehen. Er wird über die Landesgartenschau hinaus Bestand haben und soll stadtökologisch wichtige Objekte wie markante Alleen, wertvolle Einzelbäume, geöffnete Stadtbäche, begrünte Fassaden und Dächer hervorheben. Dauerhafte Tafeln geben notwendige Informationen an Ort und Stelle; zusätzliche Fakten sind im Internet zu finden. Eine kleinere Runde mit Zielen in der Innenstadt soll zu Fuß erreichbar sein, eine größere Schleife per Fahrrad. Als Basis für den Lehrpfad ist eine Diplomarbeit geplant.

Umweltpädagogik
Sehr wichtig ist ein umweltpädagogisches Begleitprogramm. Es soll nicht nur Informationen vermitteln, die mit der Landesgartenschau in Zusammenhang stehen. Vielmehr wollen wir auch allgemeine Themen aus dem Bereich Natur- und Umweltschutz wie Flächenverbrauch, Agro-Gentechnik, Verkehr und Klimawandel ansprechen.

Wer bezahlt die Projekte des Bundes Naturschutz?

Insgesamt ist mit einem Kostenvolumen von einigen Zigtausend Euro zu rechnen. Dieser Betrag wird im wesentlichen über Zuschüsse z. B. von der Landesgartenschau-GmbH, des Umweltbildungsfonds und des BN-Landesverbandes sowie Glücksspirale-Projekte finanziert. Die Kreisgruppe soll nur eine „schwarze Null“ beitragen.

Wie kann die Umsetzung der Projekte gefördert werden?

Das ehrgeizige Programm kann nur Wirklichkeit werden, wenn sich die Zusammenarbeit mit Landesgartenschau-GmbH, Stadtplanung und Wasserwirtschaftsamt weiterhin erfolgreich gestaltet und eine ausreichende Zahl von Aktiven zur Verfügung stehen.

Wir suchen deshalb für viele Aufgaben noch dringend helfende Köpfe und Hände: Für die jungen Biber sollen schon im Frühsommer 2009 Weiher, Burg und Gehegezaun von fleißigen Händen aufgebaut werden. Wer etwas handwerkliches Geschick hat, kann an den Rahmen für die Auwaldbilder mitarbeiten. Info-Tafeln und Flyer müssen mit Inhalten gefüllt werden. Tatkräftige Leute sind erforderlich zum Aufstellen und Einrichten des Pavillons, für den noch eine Möglichkeit zur Nachnutzung gesucht wird. Die Installation einer Video-Übertragung aus der Biberburg in den Pavillon ist eher etwas für technisch Versierte. Während der Landesgartenschau wollen nicht nur die kleinen und großen Interessenten am BN-Stand betreut werden, sondern auch die Biber. Fachleute mit speziellen Kenntnissen sind also genauso gefragt wie Leute, die einfach mit Herz und Hand zupacken wollen.

 

Steffen Storandt, Michael Hertel