Beschlussantrag der BN-Kreisgruppe: Kooperation mit der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ)

Rosenheim, März 2018 - Die Kreisgruppe Rosenheim wird auf der Delegiertenversammlung 2018 des BUND Naturschutz (BN) beantragen, der BN möge eine Kooperation mit der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung starten und Mitglied im Verein Gemeinwohl-Ökonomie Bayern e. V. werden. Außerdem solle der Landesverband ein Zeichen setzen und für seine Geschäftsbetriebe eine (GWÖ-zertifizierte) Gemeinwohlbilanz erstellen.

GWÖ hat Zukunft

GWÖ - auch für Organisationen

03.03.2018

Was bedeutet 'Gemeinwohl-Ökonomie'?

>>> 'Gemeinwohl-Ökonomie' bezeichnet ein Wirtschaftssystem, das auf Gemeinwohl-fördernden Werten aufgebaut ist. Sie ist ein Veränderungshebel auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene.

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist

... auf wirtschaftlicher Ebene eine lebbare, konkret umsetzbare Alternative für Unternehmen verschiedener Größen und Rechtsformen.
Der Zweck des Wirtschaftens und die Bewertung von Unternehmenserfolg werden anhand gemeinwohl-orientierter Werte definiert.

... auf politischer Ebene ein Motor für rechtliche Veränderung. Ziel des Engagements ist ein gutes Leben für alle Lebewesen und den Planeten, unterstützt durch ein gemeinwohl-orientiertes Wirtschaftssystem.
Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung sind dabei die zentralen Werte.

... auf gesellschaftlicher Ebene eine Initiative der Bewusstseinsbildung für Systemwandel, die auf dem gemeinsamen, wertschätzenden Tun möglichst vieler Menschen beruht.
Die Bewegung gibt Hoffnung und Mut und sucht die Vernetzung mit anderen Initiativen.

Sie versteht sich als ergebnisoffener, partizipativer, lokal wachsender Prozess mit globaler Ausstrahlung - symbolisch dargestellt durch die Löwenzahn-Sämchen im GWÖ-Logo. <<<

Quelle und weitere Einzelheiten: https://www.ecogood.org"

"Pioniere" und Zielgruppen der Gemeinwohl-Bilanz

Über 500 Unternehmen und Organisationen sind bereits Mitglied in einem der Vereine der Gemeinwohl-Ökonomie (u. a. Österreich, Schweiz, Deutschland). Über 150 haben bereits eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt, z. B. die Sparda Bank München, der Bergsportausrüster VAUDE, die Betriebskrankenkasse BKK ProVita, die österreichischen Gemeinden Nenzing und Mäders oder die Fachhochschule Burgenland. Ziel dieser "Pionier"-Organisationen ist auch zu zeigen, dass zukunftsfähige ökonomische Erfolgsmessung neben einem Finanzgewinn vor allem den Beitrag zum Gemeinwohl zu bewerten hat. Mit dem von der GWÖ entwickelten Instrument der Gemeinwohl-Bilanz könnte über alle Branchen vergleichbar eine substanzielle Nachhaltigkeitsberichterstattung etabliert werden.

Antrags-Begründung

Der 1. Vorsitzende Peter Kasperczyk und der Kreisvorstand sehen die Chance, dass der BN ein Zeichen für einen grundlegenden Wertewandel setzt und begründen ihren Antrag an die Delegiertenversammlung (27.-29.04.2018 in Eichstätt) wie folgt:

"Um die natürlichen Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen vor weiterer Zerstörung zu bewahren, ist ein Wandel vom System der Kapitalvermehrung ohne Rücksicht auf Verluste hin zu einem Gemeinwohl-orientierten Wirtschaftssystem notwendig. 'Wertewandel in der Wirtschaft‘ ist das Motto der internationalen Bewegung 'Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ)'. Diese Bewegung steht für Werte wie Menschenwürde, Demokratie, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit, sie zeigt damit eine Alternative zur 'freien' Marktwirtschaft mit TTIP, TISA und CETA auf.

Der BN setzt sich seit Jahrzehnten für eine nachhaltige Entwicklung und ökologische Erneuerung
in Bayern ein (Position: Zukunftsfähiges Bayern 1997) und fordert von der neuen
Bundesregierung, die Suffizienz zu einem neuen Leitmotiv ihrer Politik zu erklären (Natur+Umwelt
4-17). Ebenso vertritt der BN die Meinung, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zur Messung der Lebensqualität absolut ungeeignet ist. Mit der GWÖ-Mitgliedschaft und der Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz würde der BN seine politische Forderung mit gutem Beispiel praktisch unterstützen und darüber hinaus Erfahrungen bei der Anwendung alternativer Wirtschaftsformen gewinnen. Eine Kooperation würde beiden Partnern auch einen Zugewinn an spezifischem Wissen bringen.

Weitere Informationen

GWÖ-Homepage: www.ecogood.org/de

GWÖ Bayern e. V.: http://gwoe-bayern.org/

GWÖ in Rosenheim: https://rosenheim.bund-naturschutz.de/aktuelles/artikel/alternative-zu-ceta-ttip-gemeinwohl-oekonomie.html

Nachtrag zum 29. April 2018:

Eichstätt, 29. April 2018 - Der Antrag der Kreisgruppe Rosenheim auf der Delegiertenversammlung 2018 zur Kooperation und Mitgliedschaft des BN in der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung sowie der Erstellung einer (GWÖ-zertifizierten) Gemeinwohlbilanz für seine Geschäftsbetriebe konnte aus Zeitgründen nicht behandelt werden und wurde in geänderter Form an den BN-Beirat verwiesen.

Der BN-Beirat soll beschließen, dass der Landesverband Gespräche mit der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung aufnimmt, um die Möglichkeiten der Unterstützung sowie die Chancen einer Kooperation, insbesondere auch der Mitgliedschaft im Verein Gemeinwohl-Ökonomie Bayern e. V. (München), zu klären. Außerdem soll der Landesverband prüfen, wie mit einem vertretbarem Aufwand eine an die Kriterien der Gemeinwohlbilanzierung angelehnte Darstellung der Aktivitäten der BN-Geschäftsbetriebe vorgenommen werden kann.

Stand: 29.04.2018

Theo Schneider (OG Feldkirchen-Westerham)