BUND Naturschutz erhält Bundesauszeichnung für Biodiversitätsprojekt

Mit seinem Biodiversitätsprojekt "Löffelkraut & Co." gibt der BUND Naturschutz neue Impulse für eine nachhaltige Naturschutzarbeit. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie des Bundes und des Freistaats Bayern innerhalb der UN-Dekade 2011-2020. Dafür erhielt er nun das Qualitätssiegel der UN-Dekade, mit dem vorbildliche Initiativen gewürdigt und der Öffentlichkeit als nachahmenswerte Beispiele vorgestellt werden.

28.08.2014

Das Biodiversitätsprojekt "Löffelkraut & Co." wurde vom BUND Naturschutz im Jahr 2011 ins Lebens gerufen. Es widmet sich dem nachhaltigen Schutz des Bayerischen Löffelkrauts (Cochlearia bavarica) und seiner Lebensräume. Das seltene Bayerische Löffelkraut kommt nur in Südbayern vor und hier auch nur in 6 Landkreisen, darunter in den Landkreisen Ebersberg, München und Rosenheim. Damit gehört es zu den 15 Pflanzenarten, für die bundesweit eine besondere Erhaltungsverantwortung  besteht. Seine Lebensräume - unbelastete, kalkhaltige Quellen, Quellbäche und Quellmoore - teilt es sich mit zahlreichen weiteren Raritäten der heimischen Tier- und Pflanzenwelt, wie z.B. dem Kriechenden Scheiberich, dem Feuersalamander und dem Kleinen Blaupfeil. Bereits im Jahr 2008 wurde besonders bei den kleineren Vorkommen eine starke Gefährdung festgestellt.

 Das Biodiversitätsprojekt "Löffelkraut & Co" setzt sich dafür ein, die Lebensraumbedingungen für das Bayerische Löffelkraut und weiterer seltener Begleitarten zu verbessern und die Bestände nachhaltig zu sichern. Finanziell gefördert wird das Projekt durch Bundesprogramm Biologische Vielfalt und den Bayerischen Naturschutzfonds. Der BUND Naturschutz unterstützt damit auch die Landschaftspflegeverbände Ebersberg und München-Land, die bereits im Jahr 2008 im Rahmen ihrer Kampagne "Bayerns Ureinwohner" auf den besonderen Erhaltungsbedarf der Art aufmerksam gemacht und sich durch die Entwicklung von Pflegeplänen und deren Umsetzung wesentlich um den Erhalt der oberbayerischen Vorkommen verdient gemacht haben.

Das Biodiversitätsprojekt "Löffelkraut & Co." setzt nicht auf administrative Reglementierungen, sondern holt sämtliche Beteiligte zusammen, um das Bewusstsein für die Empfindlichkeit der Lebensräume und Arten zu fördern und herauszufinden, was jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten für den Erhalt des Bayerischen Löffelkrauts tun kann. Darüber hinaus bestehende Defizite können dann im Rahmen des Projekts bearbeitet werden. "Das Interesse ist bei den Behörden, Politikern und wissenschaftlichen Einrichtungen gleichermaßen groß und wir erhielten bereits eine breite Unterstützung, für die wir besonders dankbar sind", so die Projektbetreuerin Gabriela Schneider. "Die wichtigsten Akteure sind jedoch die Eigentümer der Flächen, die ausnahmslos eine hohe Bereitschaft zum Schutz "ihres" Löffelkrauts zeigen", freute sich Gertrud Knopp von der BN-Kreisgruppe Rosenheim. Gemeinsam mit den örtlichen Landschaftspflegeverbänden und Maschinenringen konnten die bestehenden Pflegeprogramme weiter optimiert und an die Bedürfnisse der empfindlichen Arten angepasst werden. Hier zeigen sich bereits zusätzliche Erfolge, die auf eine langfristige Sicherung der Vorkommen hoffen lassen.

Einige Standorte sind noch so naturnah erhalten, dass sie überhaupt keiner Pflege bedürfen. Hier ist jedoch eine langfristige Beobachtung notwendig, um eventuell eintretende Veränderungen möglichst frühzeitig zu erkennen und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. "Da unser Projekt nur eine begrenzte Laufzeit hat, arbeiten wir interessierte und ortsnah wohnende Bürgerinnen und Bürger ein, um auch nach Projektende eine langfristige Betreuung der Vorkommen sicher stellen zu können", erklärte die Biologin. Dies sei notwendig, weil sich negative Veränderungen oft sehr langsam vollziehen. "Die Einzugsbereiche der Quellen reichen z.B. beim Kupferbachtal und den Glonnquellen weit in die Münchner Ebene hinein. Deshalb können sich auch weit entfernt liegende Eingriffe direkt auf das Ökosystem der Quellen auswirken" erläuterte Jochen Carl, der Arten- und Landschaftsschutzbeauftragte der BN-Kreisgruppe Ebersberg. Das Betreuungsnetzwerk schlägt eine Brücke zwischen Öffentlichkeit,  EigentümerInnen und Behörden. "Naturschutz muss von "unten" her  - aus der Bevölkerung - wachsen, um eine breite und stabile Basis zu bekommen", davon ist Gabriela Schneider überzeugt. Die Jury der UN-Dekade fand dieses Konzept so überzeugend, dass sie den BUND Naturschutz für sein Projekt "Löffelkraut & Co." unter zahlreichen Wettbewerbern auswählte und mit dem besonderen Qualitätssiegel "UN-Dekadeprojekt" auszeichnete. Die Preisverleihung fand am 31.07.2014 in feierlichem Rahmen im schwäbischen Riedmuseum Benningen durch den bayerischen Umweltminister Dr. Marcel Huber statt, der die besondere Bedeutung des BN-Engagements für den Artenschutz in Bayern würdigte.  Der anlässlich der Auszeichnung angereiste parlamentarische Staatssekretär Florian Pronold vom Bundes-Umweltministerium stellte die besondere Bedeutung der UN-Dekadeprojekte für die Umsetzung der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt heraus. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensräume von Arten, für die Deutschland eine besondere Erhaltungsverantwortung besitzt, bis zum Jahr 2020 wiederherzustellen bzw. zu sichern. Die oberbayerischen BN-Kreisgruppen Ebersberg, München und Rosenheim freuen sich über diese besondere Auszeichnung und setzen sich weiterhin für den Erhalt der Quellen und ihrer Artenvielfalt ein.