Für Verkehrswende, gegen 3. und 4. Gleis im Inntal

Bei einem Pressegespräch am 7.4.2017 im Mailkeller in Rosenheim forderte der BUND Naturschutz (BN) für Bayern und insbesondere für das sensible Inntal eine grundsätzliche Verkehrswende. Priorität beim Güterverkehr müssten dessen Vermeidung, die Verlagerung auf die Schiene, aber auch eine gerechtere Verteilung auf die Alpenübergänge haben. Der Verband will sich weiter am Planungsdialog beteiligen. Für einen Trassen-Neubau sieht er keinen Bedarf.

BN-Landesbeauftragter Richard Mergner

10.04.2017

Der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner kritisierte: „Das von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt geplante Milliarden schwere Straßenbauprogramm im Bundesverkehrswegeplan und der Einsatz der bayerischen Staatsregierung für 25 Meter lange Riesen-Lkws führt zu noch mehr Verkehr auf den Straßen“, so Mergner. Stattdessen müsse es gerade in den belasteten Tälern der Alpen zur Verbesserung der Lebensqualität durch Lärmminderung und gesündere Luft kommen, aber auch Ziele wie Klimaschutz und Flächensparen müssten beachtet werden. Die COP21-Beschlüsse seien bei den Verkehrsprognosen zu berücksichtigen.

„Ein echter Schutz von Mensch und Natur, im Inntal oder anderswo, kann nur erreicht werden, wenn Verkehr eingespart, optimiert und tatsächlich verlagert wird“, so BN-Kreisvorsitzender Peter Kasperczyk. Eine Verlagerung auf die Schiene müsse zu einer echten Entlastung vom Lkw-Verkehr auf der Straße führen.

Die Bereitstellung neuer Kapazitäten auf der Schiene reicht dazu aus Sicht des Verbandes keinesfalls aus. Er fordert daher von der Bundes- und Landesregierung verkehrspolitische Weichenstellungen wie ein gleichmäßig hohes Niveau der Kraftstoffbesteuerung in den beteiligten Ländern, die wirksame Bekämpfung von Sozialdumping und Gesetzesübertretungen beim LKW-Verkehr, eine deutlich höhere flächendeckende Lkw-Maut sowie eine Alpentransitbörse mit verträglichen Obergrenzen von Fahrten für jede Transitstrecke.

Bei der Suche nach einer zukunftsfähigen Lösung für die Mobilitätsprobleme im Inntal wird der BN weiter an einem ergebnisoffenen Planungsdialog teilnehmen. Das heißt aber nicht, dass er jedes Ergebnis akzeptieren wird.

Ein Neubau ist aus Sicht des Verbandes auf absehbare Zeit unnötig: Die lange Strecke durch die Alpen in Italien wird in den nächsten Jahrzehnten nicht vierspurig ausgebaut werden können. Auch lässt die Kapazität der Bestandsstrecke im Inntal deutlich höhere Zugzahlen zu. Im Interesse der Anwohner sind aus Sicht des BN nicht nur die Zusagen hinsichtlich Lärmschutz und leiseren Wagen umzusetzen, sondern bei Bedarf auch weitere Maßnahmen wie lokale Einhausungen. Ein Neubau - wo auch immer er realisiert wird - würde zu neuen Belastungen führen und angesichts knapper Kassen wichtige andere Bahnprojekte gefährden.

Pressegespräch und Pressemitteilung des BUND Naturschutz vom 7.4.2017

Position der BN-Kreisgruppe zum Brenner-Nordzulauf