Jeder zweite Christbaum mit Pestiziden belastet - wo soll man kaufen?

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat im Jahr 2014 Nadeln von Christbäumen auf Rückstände von über 150 Pestiziden untersuchen lassen. Dabei stellte das unabhängige Labor in mehr als jedem zweiten Baum Rückstände von Unkrautvernichtungsmitteln fest. Getestet wurden 15 Nadelbäume, die in Berlin, Leipzig, München, Nürnberg sowie in weiteren Regionen in Bayern stichprobenartig unter anderem bei Bau- und Gartenmärkten gekauft worden waren. In sieben Bäumen wurde entweder Glyphosat oder Prosulfocarb gefunden, in einem weiteren Fall beide Herbizide in Kombination.

27.11.2015

"Diese Agrargifte sind starke Wasserschadstoffe und können auch beim Menschen gesundheitliche Auswirkungen hervorrufen. Glyphosat steht im Verdacht Krebs zu fördern und die Embryonalentwicklung zu schädigen", sagte der BUND-Pestizidexperte Tomas Brückmann. "Prosulfocarb ist sehr giftig für das Nervensystem und Glyphosat ist akut toxisch für Wasserorganismen. Die Stoffe können nach Angaben der Hersteller in Gewässern längerfristig schädliche Auswirkungen haben", so der Pestizidexperte.

Schon einmal hatte der BUND im Dezember 2011 Christbäume auf ihre Pestizidbelastung testen lassen und dabei Rückstände von Insektenvernichtungsmitteln festgestellt sowie von Pestiziden, die nicht für den Christbaumanbau zugelassen waren. Diese gefährlichen Agrarchemikalien wurden in den aktuellen Analysen nicht mehr nachgewiesen. Der aktuelle Test belege jedoch, dass beim Anbau von Christbäumen häufig Herbizide eingesetzt würden. "Diese Unkrautvernichtungsmittel sind beim Anbau von Christbäumen nicht notwendig. Wegen der Umwelt- und Gesundheitsrisiken müssen die Produzenten von Christbäumen auf Pestizide verzichten", sagte Brückmann.

Öko-Christbaumplantagen kämen ohne Pestizide aus, so der BUND, beispielsweise durch den Einsatz von Shropshire-Schafen, durch die das Gras kurz gehalten wird. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Verbraucher auf die Bio-Zertifizierung achten, also auf ein Siegel der Öko-Anbauverbände.

Eine Alternative sei es, einen Christbaum aus heimischen Wäldern kaufen. "Beim Waldbesitzer und Förster nebenan können Bäume auch teilweise selbst eingeschlagen werden, ein besonderes Erlebnis, vor allem für Kinder", so Brückmann. Verbrauchern empfiehlt der BUND, vor dem Kauf zu erfragen, ob der Christbaum aus regionaler Herkunft stammt und umweltgerecht produziert wurde. So könne auch das Bewusstsein der Produzenten und Händler für nachhaltige Anbaumethoden gestärkt werden. Bei den Testkäufen des BUND hatte sich gezeigt, dass Verkäufer oft keine Auskunft geben konnten, ob der Christbaum unter umweltgerechten Bedingungen produziert wurde.

Konkrete Tipps für den regionalen Christbaumkauf

Für den Kauf eines Christbaums aus ökologischer Waldwirtschaft oder aus anerkannt ökologischen Weihnachtsbaumkulturen kann man die Liste von Robin Wood zu Rate ziehen:
www.robinwood.de/wo-kaufen.406.0.html

Allerdings ist das Angebot in der näheren Umgebung überschaubar.

Hier eine Direktvermarkter-Adresse in Rosenheim:

Familie Stäbler
Am Ledererbach 2 (Nähe Klinikum Rosenheim)
Ab 5. Dezember 2015 werden werktags Bäume aus Naturverjüngung in PEFC-zertifizierter Waldwirtschaft verkauft, zusätzlich auch am 2. und 3. Advent. Bei längerer Anreise sicherheitshalber vorher Tel. 08031 12622 oder 0160 5518509 anrufen.

Weitere lokale Direktvermarkter findet man unter

Verein „Bayerische Christbaumanbauer e.V.“:
www.bayerische-christbaumanbauer.de

Proplanta-Agrar-Branchenbuch:
http://agrifinder.proplanta.de/Agrar-Branchenbuch/
Mit Volltextsuche den Suchbegriff "Christbaum" eingeben, dazu Postleitzahl und Umkreis (z. B. 25 km).

Die Regionalität der Anbieter erlaubt jedoch keinen Rückschluss darauf, wie umweltgerecht die Christbäume produziert wurden. Nachfrage ist ratsam!