Kleiner Moorsee und große Politik - Jahreshauptversammlung der BN-Kreisgruppe Rosenheim

Rückschritte bei vielen Großthemen, aber kleine lokale "Leuchttürme", die in eine nachhaltige Zukunft weisen. Für den 1. Vorsitzenden der Kreisgruppe, Peter Kasperczyk, herrschen in Sachen "Verkehrswende" und Energiewende Stillstand. Beim Projekt "Bärnsee" sieht die Kreisgruppe dagegen Artenschutz und Moorschutz als Lösungsbaustein für regionale und globale Herausforderungen wie Hochwasservorsorge und Klimaschutz.

Teufelsabbiss - die Pflanze des Jahres 2015 wächst auf der BN-Fläche am Bärnsee

24.04.2015

 

Rückschritte im Großen, Fortschritte im Kleinen: Projekt Bärnsee

Die Kreisgruppe Rosenheim sieht in Schlüsselthemen des Naturschutzes insgesamt noch keine Fortschritte, etwa für Auwald- und Moorschutz und gegen den Klimawandel, der die Inn- und Mangfallregion bereits negativ berührt. 1,6 Grad sei Bayern seit 1960 wärmer geworden, so dass der - mangels Alternative vom BN grundsätzlich akzeptierte - Flutpolder Feldolling auch noch um den 15%igen Klimaaufschlag erweitert werden muss. Kasperczyk spricht sich hier in realistischer Weise für Menschenschutz im unteren Mangfalltal aus. Obwohl im Planfeststellungsbeschluss keine wesentlichen Verbesserungsvorschläge des BN wie Deichrückverlegungen zum Erhalt von Auwaldflächen berücksichtigt wurden, wollen Kreisgruppe und Landesverband im Interesse eines dem Klimawandel angepassten Hochwasserschutzes für die Anwohner im Mangfalltal dennoch keine Rechtsmittel einlegen.

In diesem Zusammenhange kritisierte er auch, dass die Energiewende in Bayern zum Stillstand gekommen sei und die "10h-Regelung" Windkraftanlagen im Landkreis Rosenheim kaum zulasse. Ein notwendiger regionaler Beitrag zum Klimaschutz falle damit aus.

Das Projekt "Bärnsee" ist für Peter Kasperczyk ein lokaler Mosaikstein nicht nur für den Artenschutz von Laubfrosch und Smaragdjungfer. Moorschutz sei zugleich auch Hochwasservorsorge und Klimaschutz. Der Grundstückserwerb in der Nähe des Bärnsees bei Aschau biete daher auch Chancen, die globalen Themen lokal sichtbar zu machen und Lösungswege aufzuzeigen. Für diese Flächen wird die Kreisgruppe mit Bildungsreferentin Ulla Fees Umweltbildungsthemen entwickeln und der Öffentlichkeit präsentieren.

"Freihandelsabkommen für Konzerne"

Die mangelhafte Förderung der ökologischen Landwirtschaft ist Kasperczyk zufolge auch in Bayern zu kritisieren. Im Agrarbereich drohe mit den sogenannten Freihandelsabkommen noch mehr "Großraumlandwirtschaft" - und die bisher in einem Bündnis aus Naturschutzverbänden und Bauern erfolgreich abgewehrte "Grüne Gentechnik" komme durch die Hintertür.

Der Hauptredner des Abends, BN-Landesbeauftragter Richard Mergner, analysiert bereits seit 2012 die im Geheimen verhandelten Freihandelsabkommen der EU mit Kanada und den USA ("CETA", "TTIP") auf Risiken für den Umweltschutz . Er führte aus, dass mit TTIP nicht nur der Abbau von Zöllen und die Vereinheitlichung von Normen kämen, sondern auch die Absenkung wichtiger Standards für Mensch und Natur. Durch die Pflicht zur "regulatorischen Kooperation", müssten sich nationale Parlamente bei der Weiterentwicklung etwa von Umweltschutzgesetzen mit Konzernanwälten abstimmen. Schiedsgerichte ohne demokratische Kontrollmöglichkeit könnten Staaten verurteilen, entgangene Gewinne aus Investitionen mit Steuergeld auszugleichen. Aus Angst vor Schadensersatzzahlungen könnte unter dem Regime von TTIP schließlich auch Deutschland z. B. Fracking oder Gentechnik zulassen.

Mit dem Dank an alle engagierten Mitglieder schloss Peter Kasperczyk die Jahreshauptversammlung des BUND Naturschutz im vollen Saal des Mailkellers.

 

Vortrag von Richard Mergner bei der BN-JHV