Mit 10.000 Holzscheitl: Bürger protestieren gegen die B15 neu

München. Ein ungewohnter Anblick war es schon, als am 28. Juli ein Traktor mit Anhänger und 10.000 Holzscheiteln aus dem Landkreis Landshut unter lautem Beifall die Münchner Ludwigstraße hinunter rollte. Sein Ziel war das Bayerische Innenministerium, Sitz von Minister Joachim Hermann.

10.000 Holzscheitl auf dem Odeonsplatz künden vom Protest der Bürger gegen die geplante Autobahn B15 neu

Bürger der Landkreise Landshut, Mühldorf, Ebersberg und Rosenheim protestieren vor dem Münchner Innenministerium gegen die geplante Autobahn B15 neu

Ein 28 Meter breites Transparent macht die gewaltigen Dimensionen der geplanten B15 neu augenfällig

10.08.2014

Beladen war der Hänger mit 10.000 Holzscheiteln, die mitten auf Münchens Prachtmeile am Odeonsplatz, vor dem Reiterdenkmal Ludwigs I. und unter den Fenstern des mächtigen Innenministers Hermann ausgekippt wurden.

Minister Hermann ist der Entscheider über die Straßenneubauwünsche Bayerns, die in den künftigen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2015 beim Bund aufgenommen werden sollen. Eine der geplanten Autobahnen ist die B15 neu. Sie soll sehr weit oben stehen auf der bayerischen Wunschliste mit den rund 400 Straßenbauprojekten. Obzwar als Bundesstraße deklariert, entpuppt sich die B15 neu bei genauerer Sichtung als Autobahn, mit zwei Fahrbahnen in jede Richtung, mit Standspuren und grünem Mittelstreifen. Diesen tiefgreifenden Einschnitt in ihre Heimat wollen die Bürgerinnen und Bürger der betroffenen vier Landkreise Landshut, Mühldorf, Ebersberg und Rosenheim nicht hinnehmen.

Ein Scheitl, ein Bürger

Die Holzscheitl hatten schon eine längere Reise hinter sich. In den vergangenen 14 Tagen war fast jedes einzelne von ihnen individuell bearbeitet worden, liebevoll mit Farben dekoriert oder schwungvoll mit einem Namenszug versehen. Jedes Holzscheit steht für einen Bürger, jung oder alt, konservativ oder kreativ, für einen Wähler der CSU, der SPD, der FW oder der Grünen. Am vergangenen Samstag waren dann die Scheitl eingesammelt worden.

In München hatten sich zusammen mit den Hölzeln rund 60 Bürgerinnen und Bürger vor dem Ministerium eingefunden, augenscheinlich allesamt Vertreter der bürgerlichen Mitte und keine Randalierer und Immer-Dagegen. Lautstark machten sie ihrem Unmut Luft über die geplante 28 Meter breite Schneise durch herrliches bayerisches Voralpenland, durch fruchtbare Äcker und wellige Wiesen. Sie waren mit Trommeln gekommen, mit Pfeifen, mit Sirenen oder Topfdeckeln und skandierten: „Hermann, Stopp die Autobahn!“ Ein 28 Meter breites Transparent machte die gewaltigen Dimensionen der Schneise augenfällig, beeindruckend auch noch auf der Ludwigstraße.

Geld verplempern?

Passanten erkundigten sich nach dem Grund für die Demonstration. Die einen waren empört und in Sorge, andere zeigten Verständnis: „Die verplempern da scho wieda unser ganzes Geld.“– „Die sollen lieber die Bahn ausbauen.“– „Da wird so viel kaputt gemacht und so viel Geld ausgegeben, was wir gar nicht haben.“ – „Ich brauche die Autobahn nicht.“ – „Das macht ihr wunderbar!“ – „Wir wünschen euch viel Erfolg!“

Im Gespräch mit den Aktivisten erfährt man, dass es Alternativen gibt: Vordringlich wären ortsnahe Umgehungen zur Verkehrsentlastung der Gemeinden an der alten B15. Und das vorhandene Steuergeld sei besser investiert in Straßensanierung statt in den Neubau einer Autobahn.

Kurzfristig haben sich alle beteiligten Bürgerinitiativen entlang der 100 km langen Strecke zu diesem Protest entschlossen, kurz vor der Sommerpause und noch rechtzeitig genug, so dass der Innenminister die B15 neu auf der Straßenneubauwunschliste streichen kann, bevor er sie weitergibt nach Berlin.

Gisela Flögel, Vereinsvorsitzende von Stop B15 neu e.V., überreichte Reiner Scharrer von der Obersten Baubehörde eine Einladung an Innenminister Hermann. Auf einer Verkehrskonferenz in Landshut nach der Sommerpause gäbe es Gelegenheit zum offenen Dialog mit den Bürgern, für den sich der Minister wiederholt ausgesprochen hat.

Über der Demo wölbte sich ein bayrisch-weißblauer Bilderbuchhimmel. Ob das ein gutes Zeichen für das Anliegen der Bürger ist?