Spagat und Annäherung

Hochwasserschutz an der Mangfall Schwerpunkt bei Jahreshauptversammlung

Viele Übereinstimmungen bestehen zwischen BUND Naturschutz (BN) und Wasserwirtschaftsamt. Obwohl der BN grundsätzlich breite Auenflächen statt enger Dammbaulösungen fordert, wird dennoch das umstrittene Hochwasserrückhaltebecken bei Feldolling mangels Alternative nicht grundsätzlich abgelehnt. Der 1. Vorsitzende der Kreisgruppe Peter Kasperczyk sprach bei der Jahreshauptversammlung am 24.3. von einem „Spagat“, da man in der Stellungnahme zwar das Gesamtkonzept akzeptiert, aber zahlreiche Verbesserungen im Naturschutz gefordert habe - auch mit Auswirkungen auf die Speicherkapazität. Paul Geisenhofer, Leitender Baudirektor beim Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, berichtete in seinem Referat im voll besetzten Saal des Flötzinger Bräustüberls Rosenheim von den Sofortmaßnahmen und weiteren Planungen zum Hochwasserschutz.

20 Jahre Geschäftsstellenleiterin: Veronika Maurer mit Schatzmeister Klaus Jordan und dem 1. Vorsitzenden der Kreisgruppe Rosenheim, Peter Kasperczyk (rechts)

01.04.2014

 

Feldolling und der Klimafaktor

Nach dem extremen Hochwasserereignis an der Mangfall Anfang Juni 2013 mit bis zu 30 cm Regen innerhalb von drei Tagen sei sogar Rosenheim nur haarscharf an einer Überflutung der Innenstadt vorbeigekommen. Die Dämme könnten einem weiteren Hochwasser kaum noch standhalten, so dass unverzüglich Dammsanierung und –Erhöhung mit Spundwänden erfolgten. Allein damit seien die Siedlungen des unteren Mangfalltals noch nicht für ein hundertjährliches Hochwasser (HQ100) geschützt, zumal auch noch die Klima-Erwärmung ins Spiel komme, die mit einem Faktor von + 15% berücksichtigt werde. Erst ab einem HQ100 an der Mangfall – oder HQ30 und HQ100 am Inn - würde das gesteuerte Auslaufwehr bei Westerham aktiviert. Das Rückhaltebecken Feldolling könne dann zusammen mit den Unterbecken des Leitzachkraftwerks etwa 6 Millionen Kubikmeter aufnehmen. Damit seien die dort bis 2021 geplanten 50 Mio. Euro gut investiert, weil auch in Erwartung des Klimawandels mit noch stärkeren Regenperioden ein hohes Schutzniveau erreicht werden kann.

Versager beim  Flächensparen: Die Gemeinden

Nach wie vor werden in Bayern täglich 17 ha an Natur- oder landwirtschaftlichen Flächen für Gewerbe-, Siedlungs- und Verkehrsflächen zusätzlich belegt. Geisenhofer zufolge hat sich in den letzten 34 Jahren die tatsächlich mit Asphalt und Gebäudeflächen versiegelte Fläche verdoppelt. Häufig stünden Fachbehörden und Bund Naturschutz mit ihren Positionen pro Flächenschutz gegen die jeweilige Gemeinde. Dort liege die größte Macht und Verantwortung für unsere Flächen.

Auch aus Sicht des BN ist gegen die kommunale Macht der Bauleitplanung (Flächennutzungsplan und Bebauungspläne) leider meist kein Kraut gewachsen. So seien gerade am Unterlauf der Mangfall große Überschwemmungsgebiete zugebaut worden, und nicht einmal nach der Katastrophe 2013 würden die Deiche hier soweit noch möglich zurückverlegt. Hinter den neuen Deichen spekuliere man gleich wieder auf neue Bebauung. Geisenhofer stimmte dem teilweise zu: „Zwischen Kolbermoor und Schwaig weiter zu bauen, würde ich für verkehrt halten.“ Denn absolute Sicherheit werde es nie geben.

Auch bei der Wasserrahmenrichtlinie der EU, die den guten ökologischen Zustand der Fließgewässer zum Ziel hat, und weiteren Themen im Natur- und Landschaftsschutz gibt es nicht nur viel zu tun, sondern auch viel Gemeinsames. Darauf hatten in ihren Grußworten bereits die stellvertretende Landrätin Loferer und Bauernverbandspräsident Bodmaier hingewiesen. Im Konsens mit der Kreisgruppenversammlung sorgte er sich um schwindende Flächen für die Nahrungsmittelproduktion. Ferner solle sich die Regierung konsequent gegen Gentechnik entscheiden.

Schwerpunkte der Kreisgruppe Rosenheim

Peter Kasperczyk nannte in seinem Arbeitsthemen-Rückblick als kritisches Beispiel den Moorschutz, der Hochwasserschutz und Klimaschutz zugleich bedeute. Und dennoch könne hier bei uns und heute anscheinend immer noch „kein Gesetz und keine Behörde Moorvernichtung selbst in einem FFH-Gebiet verhindern“.

Hervorzuheben in der Kreisgruppenarbeit sei - auch in seiner gesellschaftlichen Bedeutung - die Umweltbildung. Ausgezeichnet mit dem offiziellen Gütesiegel „Umweltbildung Bayern“ bringt Ulla Fees u.a. „gebundenen Ganztagesklassen“ in  Wasserburg die heute auch auf dem Land oft so ferne Natur näher. Die Kreisgruppe leiste hier auch einen äußerst wertvollen Beitrag in Sachen Integration. Für 20-jährige engagierte, erfolgreiche und immer auch persönlich sympathische Arbeit in der Kreisgeschäftsstelle galt schließlich Veronika Maurer ein besonders herzlicher Applaus.