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Rückblick Rosenheimer Energiedialoge: Wie heizen wir in Zukunft?

Rosenheim, 24.03.2026: Um diese Frage zu beantworten, die durch die Ankündigungen der Bundesregierung zum „Heizungsgesetz“ noch wichtiger geworden ist, hatten die Veranstalter in die FOS/BOS Rosenheim eingeladen. Wieder einmal gelang es den Professoren Uli Spindler und Dr. Harald Krause von der TH Rosenheim, den Wissensdurst des zahlreich erschienenen Publikums zu stillen. Eine begleitende Ausstellung bot zusätzliche Informationsmöglichkeiten.

01.04.2026

Prof. Spindler erinnerte daran, dass das Bundes-Klimaschutzgesetz von 2021 Deutschland zu Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2045 verpflichtet. Gerade der Heizungsbereich wird jedoch noch von fossilen Energieträgern dominiert.
Heizen mit der Wärmepumpe ist besonders effizient: Sie macht aus 1 kWh Strom 3–5 kWh Wärme. Weitere Pluspunkte sind niedrige Betriebskosten und geringe, mit mehr lokal erzeugtem PV- und Windstrom noch sinkende CO2-Emissionen. Eine Strom-Direktheizung ist zwar billig zu installieren, aber wegen des hohen Stromverbrauchs kaum sinnvoll.
Grüner Wasserstoff und E-Fuels haben den Vorteil saisonaler Speicherbarkeit. Sie sind jedoch extrem ineffizient, bleiben mittelfristig teuer und werden eher in Industrie, Luft- und Schiffsverkehr zum Einsatz kommen.
Auch Holz ist saisonal speicherbar. Es ist nur bei nachhaltigem Anbau CO2-neutral; Deutschland hat nur ein geringes zusätzliches Potenzial von 10 % des aktuellen Heizbedarfs.
Bei Biogas und Bioöl ist eine saisonale Speicherung möglich. Sie brauchen aber sehr große Flächen, konkurrieren mit der Nahrungsmittelproduktion, schaden der Biodiversität und sind nicht wirklich CO2-neutral. Die begrenzte Verfügbarkeit dürfte die Preise steigen lassen.
Prof. Spindlers Fazit ist: Wärmepumpen sind die einzig sinnvolle Option fürs Heizen, sofern keine Fernwärme verfügbar ist. Das aktuelle Vorgehen der Politik droht aber die Klimaziele zu gefährden und die Kosten der Energiewende ungerecht zu verteilen.

Prof. Krause richtete den Blick auch auf die Wohngebäude, speziell auf den Bestand. Am Beispiel einer Doppelhaushälfte von 1991 ohne große energetische Schwächen erläuterte er verschiedene Optionen hinsichtlich Heizung und energetischer Sanierung.
Ein bloßer Heizungstausch ergibt folgende Resultate:
Bei den Heizkosten bringen Pelletheizungen und Wärmepumpen (besonders mit PV und Batterie) Einsparungen gegenüber neuen Gas-/Ölheizungen und der Rosenheimer Fernwärme. Strom-Direktheizungen (auch mit PV) sind weit kostspieliger.
Bei den CO2-Emissionen schneiden Wärmepumpen und Fernwärme besser ab als Gas- und Ölheizungen oder gar Strom-Direktheizungen. Pellets sind hier rechnerisch am besten. An ihrer CO2-Neutralität und erst recht an der Klimaneutralität der Müllverbrennung für die Fernwärme gibt es allerdings Zweifel.
Eine zusätzliche Komplettsanierung der Gebäudehülle ist mit erheblichen Kosten (oft über 100.000 €) verbunden. Sie kann aber den Energiebedarf auf weniger als die Hälfte reduzieren. Die Senkung der Vorlauftemperaturen steigert die Effizienz einer Wärmepumpe noch. Der Wärmeerzeuger kann deutlich kleiner dimensioniert werden, was weitere Kosten spart. Natürlich kann man die Maßnahmen auch in Etappen durchführen.
Bodenheizungen sind für Wärmepumpen immer geeignet. Bei Heizkörpern kann man mit der Bestandsheizung prüfen, ob eine Vorlauftemperatur von ca. 55 °C auch bei Kälte ausreicht. Wenn nicht, helfen oft einfache Mittel wie der Tausch einzelner Heizkörper.
Prof. Krause gab ferner einen Überblick über die vielen Fördermöglichkeiten, die Eigentümer bei den Maßnahmen nutzen können. Ratsam ist in jedem Fall ein Sanierungsfahrplan durch einen zertifizierten Energieberater, um die optimale Strategie für das eigene Gebäude zu finden.

Viele Fragen an die Referenten und der rege Betrieb an den zehn Informationsständen zeigten das große Interesse an der Veranstaltung.


Links:

Rosenheimer Energiedialoge: Allgemeines, weitere Veranstaltungen
https://rosenheim.bund-naturschutz.de/oeko-tipps/rosenheimer-energiedialoge