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Nachtkerze

In diesem Jahr stellt der Bund Naturschutz einmal im Monat ein Wildgemüse vor.

Für den Juni wurde die Nachtkerze (Oenothera biennis) ausgesucht.

Die Gewöhnliche Nachtkerze wurde im 17. Jahrhundert als Zierpflanze aus Nordamerika bei uns eingeführt und wird heutzutage als "einheimisch" angesehen. Im Volksmund wird die Nachtkerze auch als Nachtblume, Weinblume oder Gelbe Rapunzel bezeichnet. Anfang Juni beginnt die Blütezeit dieser prächtigen Pflanze deren große Blüten sich meist innerhalb weniger Minuten öffnen, so dass man dies gut beobachten kann. Wenn sich dann die intensiv gelben Blüten voll geöffnet haben, kann man ihren süßlichen, fast aufdringlichen Geruch wahrnehmen. Die einzelnen Blüten sind sehr kurzlebig; sie öffnen sich erst in der Abenddämmerung und sind bis zum nächsten Morgen verblüht. So ist es nicht verwunderlich, dass Nachtkerzenblüten vor allem von Nachtfaltern bestäubt werden. Die Nachtkerze gehört zu den zweijährigen Pflanzen. Erst im zweiten Jahr treibt aus der am Boden aufliegenden Blattrosette, ein Blütenstand, der bis zu zwei Meter hoch werden kann. Nach der Blüte reifen bis zu 200 Samen in jeder Samenkapsel heran, die nur einen Millimeter lang sind und mit Hilfe ihres Flügelsaumes durch den Wind verbreitet werden.

Schon kurz nach dem Anbau als Zierpflanze erkannte man, dass die fleischigen Wurzeln der Nachtkerze essbar waren. So wurde die Nachtkerze im 18. Jahrhundert zu einer beliebten Gemüsepflanze in Küchengärten und verwilderte als sogenannter "Gartenflüchtling". Heute ist deshalb die Nachtkerze in ganz Europa verbreitet und man findet sie besonders häufig auf kalkhaltigen, trockenen Böden.

Ähnlich wie andere alte Gemüsepflanzen ist die Nachtkerze aus der Mode gekommen, auch wenn alte Sprichwörter behaupten, dass ein Pfund Nachtkerzenwurzel so viel Kraft gebe wie ein Zentner Ochsenfleisch. Die rübenförmigen Wurzeln werden im Herbst oder Frühling des ersten Jahres, bevor der Blütenspross treibt, geerntet. Beim Garen verfärben sich Nachtkerzenwurzeln rötlich und so wurden sie früher auch "Schinkenwurz" genannt. Sie können gekocht und wie Pastinaken oder Schwarzwurzeln zubereitet werden. Auch Blüten sind essbar und eignen sich zur Salatdekoration.

Als Heilpflanze war die Nachtkerze schon bei den nordamerikanischen Indianern geschätzt. Heute wird das aus den Nachtkerzensamen gewonnene Öl bei Neurodermitis angewandt; auch in der Kosmetik wird Nachtkerzenöl eingesetzt, da es die Haut vor Feuchtigkeitsverlusten schützt und die Zellregeneration fördert.





Text: Gertrud Helbich und Katharina Meidinger

Foto: Bund Naturschutz Kolbermoor: Nachtkerze