Durchsuchen Sie unser Wissen

Zur Startseite

Schandfleck Steinbruch Heuberg

Seit Genehmigung des Steinbruchs Nußdorf im Ortsteil Überfilzen im Jahre 1961 sorgt der Gesteinsabbau für Verärgerung in der Nußdorfer Bevölkerung und weit darüber hinaus. Betreiber ist das Portland-Zementwerk Rohrdorf. Nun verfügte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof einen vorläufigen Stopp des Abbaus.

Nach den ursprünglichen Plänen sollte der Gesteinsabbau hinter einer Schutzwand erfolgen, deren Sinn die Erhaltung des Landschaftsbildes sowie der Schutz vor Lärm und Staub war. Bereits nach wenigen Monaten stürzten große Teile der Schutzwand aufgrund der Sprengungen ein. Seitdem wurde die Genehmigung mehrmals “modifiziert”, soll heißen der geschaffenen Realität angepasst. Die letzte “Modifizierung” erfolgte 1994, gegen den Widerstand des BUND Naturschutz (BN).

Neben der Erschließung der oberen Bermen (Abbauterrassen) durch Benützung einer nur für Holztransporte genehmigten Forststraße entzündet sich der Streit derzeit und in den letzten Jahren an der Abbauoberkante. In der Abbaugenehmigung sind Höhenlinien eingezeichnet, die der Höhe der Schutzwand entsprechen, das sind 758 m ü. NN. Das Landratsamt Rosenheim und die Regierung von Oberbayern vertritt die Ansicht, maßgebend seien nicht die Höhenlinien, sondern die Grenzsteine, die das Abbaugebiet horizontal begrenzen. Dies bedeutet eine Abbauoberkante von 840 m ü. NN, also fast 100 Höhenmeter über der Schutzwand! Dagegen wurde vom BN in Zusammenarbeit mit der Inntalgemeinschaft, den Parteifreien Nußdorfern und Anliegern Beschwerde bei der Regierung von Oberbayern eingelegt - leider vergeblich. Wir mussten auch zur Kenntnis nehmen, dass der BN hier kein Klagerecht besitzt, sondern nur ein Beschwerderecht.

Aufgrund des enormen öffentlichen Drucks klagte die Gemeinde Nußdorf vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof auf Einhaltung der Höhenlinien. Vor dem Verwaltungsgericht München war die Klage gescheitert.

Am 28.05.2018 fasste der Bayerische Verwaltungsgerichtshof einen Beschluss, der den des Verwaltungsgerichts München korrigiert. Das Landratsamt wird zu einem sofort vollziehbaren Bescheid mit vorläufigem Stopp des Abbaus ab 758 m ü. NN gezwungen - ein großartiger Erfolg! Gewerbeaufsichtsamt, Landratsamt, Regierung von Oberbayern, Betreiber und Planer erfahren im Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs deutliche Kritik.

Aktionsbündnis „RETTET den HEUBERG“ in Nußdorf a. Inn gegründet

Pressemitteilung vom 22. Januar 2021

Initiiert durch die drei Nußdorfer Bürger Georg Binder, Uli Kottmann und Sepp Reisinger gründete sich das Aktionsbündnis „RETTET den HEUBERG“.

Mit von der Partie sind die jeweiligen Ortsgruppen von Bund Naturschutz, Bündnis 90 / Die Grünen sowie die Parteifreien Nußdorfer. Zudem hat der Verein zum Schutz der Bergwelt e.V. bereits seine Unterstützung erklärt.

Ziel des Aktionsbündnisses ist es, die vom Betreiber beantragte Erweiterung des Steinbruches vor allem oberhalb der umstrittenen Höhenlinie von 758 m ü.NN zu verhindern, sowie eine baldige Renaturierung des Steinbruches zu erreichen.

Damit stellt sich das Aktionsbündnis hinter die erklärten Ziele von Gemeinderat und Bürgermeister und unterstützt diese.

„Als Aktionsbündnis haben wir selbstverständlich mehr Freiheiten und andere Möglichkeiten als unsere Mandatsträger“ wird Sepp Reisinger zitiert. Und der muss es wissen, denn er saß schließlich über viele Amtsperioden als führender Vertreter der Parteifreien Nußdorfer im Gemeinderat.

Bereits im vergangenen Oktober wurde durch Postwurf und Gespräche die Bevölkerung über den Erweiterungsantrag informiert, als auch auf Ihr Recht Einwendungen zu machen hingewiesen. Über die Facebook-Seite und den YouTube-Kanal „Rettet den Heuberg“ werden zudem aktuelle Informationen bereitgestellt. Zudem machen in Nußdorf zwei großflächige Banner auf das Thema aufmerksam.

Dazu Uli Kottmann (Bündnis 90 / Die Grünen): „Ich spüre eine großartige Unterstützung durch die Bevölkerung, hunderte von Einwendungsschreiben beweisen es. Die riesige Wunde im Berg hat das Schutzgut Landschaftsbild im Inntal bereits irreparabel beschädigt. Jetzt muss Schluss sein. Der Berg hat seine Schuldigkeit getan.“

Auf Initiative des Aktionsbündnisses besuchten zwei Landtagsabgeordnete den Steinbruch und informierten sich in direkten Gesprächen mit der Geschäftsführung des Betreibers. Rosi Steinberger (Bündnis 90/ Die Grünen und Vorsitzende im Ausschuss für Umwelt- und Verbraucherschutz) und Claudia Köhler (Bündnis 90/ Die Grünen und haushaltspolitische Sprecherin der Grünen Fraktion im Bayerischen Landtag sowie stellvertretende Vorsitzende im Haushaltsausschuss) waren bereits am 4.12. vergangenen Jahres vor Ort. Claudia Köhler schrieb danach auf ihrer Webpage: „Gerade Entscheidungen mit einer solchen Langzeitwirkung dürfen jetzt nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden. Wir müssen den Bürger*innen, die ohnehin ungewisse Zeiten durchleben, Transparenz gewährleisten und ihr Recht auf Mitbestimmung ermöglichen.“

Georg Binder, Vorsitzender der Ortsgruppe Nußdorf des Bund Naturschutz, hofft auf weitere Verbündete: „Unser Aktionsbündnis ist offen für weitere Parteien, Organisationen, Firmen und Personen, die sich uneingeschränkt zu unserem gemeinsamen Ziel bekennen und sich aktiv engagieren wollen.“


Hintergrund und Gegenstand dieser Pressemitteilung:

Mit öffentlicher Bekanntmachung vom 28.08.2020 hatte das Landratsamt Rosenheim das Verfahren um die Erweiterung des Steinbruchs Überfilzen bei Nußdorf a. Inn wiedereröffnet und weitere, bisher fehlende Unterlagen zur Verfügung gestellt.

Bereits 2017 erließ der Bayrische Verwaltungsgerichtshof, auf Betreiben der Gemeinde Nußdorf a. Inn, die vorläufige Stilllegung des Gesteinsabbaus jenseits einer Höhe von 758 m ü. NN. Der Betreiber, die in Rohrdorf ansässige Südbayrische Portland Zementwerke Gebr. Wiesböck & Co. GmbH, teilt die Auffassung des Gerichtes nicht und stellte im März 2019 den Antrag auf wesentliche Änderung, um eine Genehmigung für den weiteren Abbau auch oberhalb von 758 m ü. NN zu bewirken. Dieser sieht vor, in den nächsten 50 Jahren noch knapp 10 Mio. Tonnen Gestein abzubauen.

Nachdem bereits im vergangenen Jahr 722 Einwendungen gemacht wurden, gab es für die Gemeinde, Bürger und Organisationen im Oktober 2020 nochmals die Möglichkeit zu Einwendungen.

Unter Verweis auf die COVID-19 Pandemie und das Planungssicherstellungsgesetz (PlanSiG) plant nunmehr das Landratsamt Rosenheim, ohne den ursprünglich geplanten öffentlichen Erörterungstermin über den Antrag zu entscheiden. Bei einem Mehrgeneration-Projekt dieser Dimension und Auswirkung auf das Schutzgut Landschaftsbild, sowie diverser Risiken, führt diese Vorgehensweise der Behörden zu vollkommenem Unverständnis und Widerstand innerhalb der Bevölkerung.

Ursprünglich als „unsichtbarer Steinbruch” genehmigt, hat sich dieser Steinbruch nunmehr seit den frühen 60er Jahren immer weiter und immer höher in den Heuberg gefressen und ist heute bereits vom Irschenberg aus als klaffende Wunde im Heuberg deutlich zu sehen. Die sogenannte Sichtschutzwand erfüllt schon lange nicht mehr den gedachten Zweck und die geplante Erweiterung würde die Abbaugrenze von heute 758 m ü. NN nochmals deutlich sichtbar noch oben verschieben.

Bilder vom Steinbruch Heuberg

Links zum Thema

Süddeutsche am 2.12.2020: "Wie Steinbruch die Nußdorfer auf die Barrikaden bringt"
https://www.sueddeutsche.de/bayern/nussdorf-am-inn-heuberg-steinbruch-umweltschutz-1.5133444

Pressemitteilung von B90/Grüne am 29.10.2020: "Nußdorf – weiterer Transparenzverlust auch auf Landkreisebene"

Bescheid des Landratsamts Rosenheim vom 21.6.2018

OVB am 14.6.2018: "Urteil mit Sprengkraft"
https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/urteil-sprengkraft-9953615.html

VGH München am 28.5.2018: Beschluss
http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y-300-Z-BECKRS-B-2018-N-11367?hl=true

OVB am 4.5.2018: "Abbau vorerst gestoppt"
https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/abbau-vorerst-gestoppt-9839372.html

BR-quer am 25.1.2018: "Nußdorfer kämpfen gegen Steinbruch"
https://www.youtube.com/watch?v=ie3lSvOghwA

OVB am 28.11.2017: "Auf geht's zum Verwaltungsgerichtshof"
https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/gehts-verwaltungsgerichtshof-9401640.html

OVB am 8.8.2017: "Und wieder wird Staub aufgewirbelt"
https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/wieder-wird-staub-aufgewirbelt-8577707.html

OVB am 8.6.2017: "Abbau am Heuberg bleibt sichtbar"
https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/abbau-heuberg-bleibt-sichtbar-8385596.html

OVB am 31.5.2017: "Stürzt überhängende Wand auf Dorf?"
https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/stuerzt-ueberhaengende-wand-dorf-8364645.html

OVB am 22.2.2017: "Arbeiten im Steinbruch Überfilzen fortgesetzt"
https://www.ovb-online.de/rosenheim/arbeiten-steinbruch-ueberfilzen-fortgesetzt-7423579.html

OVB am 22.10.2016: "Keine Variante für den Steinbruch"
https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/keine-variante-steinbruch-6870207.html

OVB am 26.7.2016: "Zementwerk Rohrdorf sorgt für Fakten"
https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/zementwerk-rohrdorf-sorgt-fakten-6609038.html

OVB am 26.2.2016 "Abbau im Steinbruch darf weitergehen"
https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/abbau-steinbruch-darf-weitergehen-6158988.html

OVB am 29.5.2015: "Debatten um Steinbruch"
https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/debatten-steinbruch-5055412.html

OVB am 9.5.2015: "Aufforsten schon früher möglich"
https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-land/aufforsten-schon-frueher-moeglich-4986978.html