Jahreshauptversammlung 2026: Hochwasser und Hitze hausgemacht
Lähmende Nachrichten
Flutkatastrophen wie 2021 im Ahrtal oder 2024 in Valencia mit über 100 Todesopfern (oder 2016 in Simbach mit 7) und die laufenden Berichte über Hitzerekorde kommen heute selten ohne Hinweis auf den atmosphärischen Klimawandel aus, dessen Haupttreiber bekanntlich fossile Verbrennung ist. Wenn aber das Schicksal als globale Erwärmung von ganz weit oben zuschlägt, fühlen wir uns klein und ohnmächtig. „Das lähmt, das macht uns fertig“, so Prof. Auerswald. Kein Wunder, wenn wir die Verantwortung zuvorderst bei der hohen Politik sehen. Dabei wäre der regionale Einfluss und damit auch der Spielraum des Handelns nachweisbar größer. Vielleicht „verstehen Meteorologen von Landnutzung zu wenig“.
„Hotspot“ Mangfalltal
Nicht nur die Stadt ist ein "Hotspot". Das ganze untere Mangfalltal und große Teile des Inntals wurden regional dahin "entwickelt" – durch Versiegelung, Drainage und Verdichtung der Böden. Die Art der Landnutzung wirkt Prof. Auerswald zufolge viel stärker auf die für Geschwächte oft schon tödliche Zunahme der Hitzetage als die bisherige globale "Erderwärmung" durch CO2-Anreicherung in der Atmosphäre. Einem hausgemachten Hitzestress könne man aber bereits durch lokale Maßnahmen effizient begegnen. Dazu gehören mehr Bäume, Dachbegrünung, Entsiegelung von Plätzen und Hofflächen.
Die Art der Landnutzung wirkt sich unmittelbar auf Abstrahlung und Verdunstung und damit auf lokale Temperaturen und Wasserspeicherung aus, was in Sachen Hitze und Dürre eine gute Nachricht ist. Landwirte können z. B. mit Hecken und Grünland das Mikroklima entscheidend beeinflussen und damit auch Ackererträge in den durch Klimaerwärmung und Bodendegeneration zunehmend problematischen Trockenperioden sichern.
Effizient entwässern?
Prof. Auerswald forschte mehrere Jahrzehnte für die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising und kann als Ingenieur die Effekte großflächig veränderter Bodennutzung „vorrechnen“. Wasserbilanzen und Experimente zeigen eindrücklich, dass die Bodenstruktur extremen Einfluss hat. Z. B. betrug die Abflussgeschwindigkeit in einem nur 500 Meter langen Wiesental über 8 Stunden. Straßen und Gräben gelten dagegen als effizient, wenn sie Starkregen in wenigen Minuten ableiten, um Aquaplaning auf dem Asphalt zu verhindern.
Bei Grundwasserschwund und Hochwassern könne die globale Erderwärmung bei bislang noch wenig veränderten Gesamtregenmengen nicht die wesentliche Ursache sein. Viel mehr tragen die in doppeltem Sinn immer dichteren Straßennetze in Wald und Flur bei. Ein heute typischer Forst mit Lkw-befahrbaren Wegen komme in der Straßendichte einer Großstadt wie München gleich. „Versiegelung ist ein Problem des ländlichen Raums.“
Immer noch 10 Hektar pro Tag
Der Trend des Flächenverbrauchs ist vor allem in Bayern weiter ungebrochen. Inzwischen sind 6 % der Fläche Bayerns sogar wasserdicht versiegelt, darunter wohl die meisten der rund 10 Millionen Pkw-Stellplätze. Neue Bebauung, Straßen und Wege führen nicht nur zu deutlich schnelleren Abflüssen, sondern tragen über die negative Wirkung auf Verdunstung und Versickerung auch ganz erheblich dazu bei, dass es seltener regnet und 80 Prozent der Grundwässer in Süddeutschland sinken. Prof. Auerswald plädiert eindrücklich dafür, das Wasser möglichst lange in der Landschaft zu halten – nicht nur für den Überflutungsschutz der meist tiefer liegenden Siedlungs- und Gewerbeflächen, sondern auch für die Grundwasserregeneration.
Von 2000 bis 2025 waren gleich viele Sommerregenmengen über wie unter dem Durchschnitt seit dem Jahr 1900 – bei noch unauffälliger Streuung.
„Es ist kaum vorstellbar, dass wir Extreme meistern, wenn wir schon an der Normalität scheitern. Wir sollten aufhören, die Böden zu verdichten, zu versiegeln und die Landschaft zu drainieren. Wegen des CO2-getriebenen Klimawandels sollten wir außerdem bestehende Verdichtung, Versiegelung und Drainage rückgängig machen.“
Prof. Auerswald stellte jedoch klar, wie wichtig auch der Kampf gegen den CO2-getriebenen Klimawandel ist, z. B. durch den Bau neuer Windräder. Aus seiner Sicht ist weltweit CO2 das größere Problem.
Aktivierende Nachrichten
Von Erfolgen im Sinne von Prof. Auerswald konnten die Vorsitzenden der Ortsgruppen Bernau und Wasserburg, Pia Ostler und Max Finster berichten. Besonders artenreiche Wiesen des Bernauer Hitzelsbergs werden als „geschützter Landschaftsbestandteil“ keinem Chaletdorf mit 39 „Einheiten“ weichen müssen. Und mit der Unterstützung des Landratsamts konnten in den Weiher Filzen Flächen angekauft werden. Nach der Wiedervernässung bieten sie nicht nur Spring- und Laubfröschen eine Heimat, sondern schützen auch die Heimat der Menschen. Weil sie gemäß Prof. Auerswald „das Wasser in der Fläche halten“ und Grundwasser statt Hochwasser bilden.
Dem regionalen und dem globalen Klimaschutz würde es dem 1. Vorsitzenden der Kreisgruppe Rainer Auer zufolge dienen, wenn der Verwaltungsgerichtshof im Januar 2027 gegen die Planfeststellung zum A8-Ausbau mit 6+2 Streifen und damit gegen viele Hektar weitere Bodenversiegelung entscheidet. Eine andere richterliche Entscheidung steht zum Großprojekt Kampenwand-Seilbahn an.
Theo Schneider, Schriftführer
Weitere Infos:
[1] Ausführlicherer Vortrag von Prof. Auerswald zum Thema:
https://rhoen-grabfeld.bund-naturschutz.de/energie-wasser-verkehr/vortrag-von-prof-dr-karl-auerswald-wasser-in-der-flaeche-halten-hochwasser-und-duerre-im-rhoen-grabfeld
[2] Zur A8:
https://rosenheim.bund-naturschutz.de/brennpunkte-vor-ort/autobahn-a8
[3] Zur Kampenwandseilbahn:
https://rosenheim.bund-naturschutz.de/brennpunkte-vor-ort/kampenwandseilbahn








