Rückblick Rosenheimer Energiedialoge: Flexibilisierung von Wärmepumpen
Warum wird Flexibilisierung immer wichtiger?
Durch die Energiewende steigt der Strombedarf im Wärme- und Verkehrssektor stark an. Bis 2045 werden in Deutschland zusätzlich 230 TWh/a durch Wärmepumpen und E-Mobilität erwartet, was eine enorme Herausforderung für die Stromnetze darstellt. Da erneuerbare Energien wetterabhängig sind, müssen Lastverschiebungspotenziale wie bei Wärmepumpen genutzt werden, um Netzstabilität zu gewährleisten. Besonders kritisch ist dabei die Situation in Niederspannungsnetzen: Der gleichzeitige Betrieb von Wallboxen und Wärmepumpen kann lokale Spitzenlasten im Mittel um etwa 20 % und in Einzelfällen sogar um über 70 % erhöhen. Ortsnetztransformatoren sind dadurch einer extremen Belastung ausgesetzt und können bis zu 170–210 % ihrer Nennleistung erreichen – ein Zustand, der zu Überlastungen und Versorgungsengpässen führen kann.
Gesetzliche Rahmenbedingungen: Steuerung nur im Notfall
Die netzorientierte Steuerung von Wärmepumpen ist im Energiewirtschaftsgesetz §14a sowie in den Beschlüssen BK6-22-300 und BK8-22/010-A der Bundesnetzagentur geregelt. Steuerungseingriffe sind ausschließlich bei akuter Netzüberlastung zulässig und gelten als Ultima Ratio. In solchen Fällen dürfen Wärmepumpen auf maximal 4,2 kW begrenzt werden. Bislang gibt es eine Übergangsregelung, die ein präventives Dimmen für maximal 2 h täglich erlaubt, allerdings nur, wenn Echtzeitdaten zum Netzzustand vorliegen.
Technische Umsetzung und Herausforderungen
Wärmepumpen können durch den Einsatz von Wärmespeichern – etwa Pufferspeichern oder der Gebäudemasse – Last verschieben und so zur Netzstabilität beitragen. Besonders effektiv ist dies bei massiven, gut gedämmten Gebäuden mit einer Fußbodenheizung, da hier größere Wärmemengen zwischengespeichert werden können. Allerdings sind Steuereingriffe bei extrem niedrigen Außentemperaturen besonders kritisch: In solchen Situationen sinkt die Effizienz der Wärmepumpe, während der Strombedarf steigt. Eine sorgfältige Planung und Abstimmung mit Fachbetrieben ist daher unerlässlich, um sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten.
Vorteile für Hauseigentümer
Durch flexible Steuerung können Hausbesitzer von günstigeren Stromtarifen profitieren. Moderne Home-Energy-Management-Systeme (HEMS) und intelligente Messsysteme (Smart Meter) ermöglichen eine optimierte Steuerung der Wärmepumpe in Abstimmung mit dem Stromnetz. Auch Überschüsse aus PV-Anlagen lassen sich effizient nutzen.
Fazit: Ein Schritt in die Zukunft der Energieversorgung
Die Flexibilisierung von Wärmepumpen ist ein zentraler Baustein für ein erneuerbares Energiesystem. Dazu ermöglicht §14a eine netzorientierte Steuerung. Doch bevor es zu einem Eingriff kommt, müssen zahlreiche Hürden überwunden werden. Die Flexibilisierung der Wärmepumpe ist kein Allheilmittel, aber eine unverzichtbare Maßnahme, um das zukünftige Stromnetz stabil und effizient zu gestalten!
Links:
Rosenheimer Energiedialoge: Allgemeines, weitere Veranstaltungen
https://rosenheim.bund-naturschutz.de/oeko-tipps/rosenheimer-energiedialoge






