Pressekonferenz mit Brennerdialog in München: BUND Naturschutz fordert eine Verkehrsvermeidung und echte Verlagerung im Alpentransit

Am 1. Juli haben DB, ÖBB und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in Rosenheim mögliche Grobtrassenvarianten für den geplanten Brenner-Nordzulauf präsentiert und den Neubau als alternativlos dargestellt.

Die bayerische und bundesdeutsche Verkehrspolitik hat sich bisher einer konsequenten und verbindlichen Verkehrsvermeidungs- und Verkehrsverlagerungspolitik widersetzt. Um den Alpentransit nachhaltig zu gestalten, muss diese aber Vorrang vor der Infrastruktur-Politik haben. „Wir brauchen eine verbindliche politische Lösung für eine Verkehrsverlagerung. Erst wenn die Verkehrsvermeidungs- und Verlagerungsziele und -politiken verbindlich zwischen den Alpenstaaten festgelegt sind, kann die notwendige Infrastruktur darauf ausgelegt werden“, so Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz. „Und erst wenn ein tatsächlicher Bedarf nach einem zusätzlichen dritten und vierten Gleis nachgewiesen ist, kann über einen Neubau befunden werden.“

Pressekonferenz am 9.7.2019 in München: Von links Dr. Vieregg, Thomas Riedrich (1. Vorstand Brennerdialog Rosenheimer Land), Richard Mergner (BN-Landesvorsitzender), Rainer Auer (Bgm. Stephanskirchen), Peter Kasperczyk (BN-Vorsitzender KG Rosenheim)

10.07.2019

Nach diesem Bedarf sieht es derzeit nicht aus: Im Frühjahr offenbarte eine Untersuchung des unabhängigen Verkehrsberatungs-Unternehmens Vieregg-Rössler GmbH, dass sich die Kapazität der Bestandsstrecke im Inntal sowohl für den Güter- wie auch für den Personenverkehr durch relativ einfache Maßnahmen deutlich steigern lässt. Eine aktuelle Studie des gleichen Unternehmens zeigt nun, dass die Strecke darüber hinaus durch bauliche Maßnahmen hinsichtlich Lärmschutz und Maximalgeschwindigkeit noch erheblich verbessert werden kann. Die Führung des Güterverkehrs über Mühldorf und Umbaumaßnahmen am Knoten Rosenheim werden dringend empfohlen.

Der Landesvorstand des BUND Naturschutz hatte bereits im Vorjahr einen Beschluss verabschiedet, in dem er sich kritisch zur Alpentransitpolitik äußert und wirksame Maßnahmen hin zu einer verbindlichen Verkehrsvermeidungs- und Verkehrsverlagerungspolitik im Alpenraum fordert.

Der BUND Naturschutz fordert daher von der Bundes- und Landesregierung folgende verkehrspolitische Weichenstellungen:

Eine flächendeckende, deutlich höhere LKW-Maut, die auch Umwelt- und Gesundheitskosten in ausreichendem Maß einschließt, muss eingeführt werden. So kann der Umwegverkehr über den Brenner - der wegen der günstigen Maut in Deutschland und Italien bevorzugten Transitstrecke - reduziert werden.

Mit der Einführung einer Alpentransitbörse wird eine begrenzte Zahl von Lkw-Durchfahrtsrechten für einen bestimmten Zeitraum vergeben, die auch handelbar sind. Für die Gesamtzahl der Fahrten wird somit eine verträgliche Obergrenze auf jeder Transitstrecke festgelegt. Dies ermöglicht eine faire Verteilung  auf die Alpenübergänge. Bis die Alpentransitbörse eingeführt ist, muss alternativ eine kurzfristige Korridor-Maut auf der Brenner-Achse zu einem Verlagerungseffekt beitragen.

Die Steuersätze für Benzin und Diesel müssen in den beteiligten EU-Staaten auf ein gleichmäßig hohes Niveau gebracht werden. Dafür ist eine Beschränkung der „Lkw-Billig-Tankstellen“ in Tirol, die als billigste Tankstellen Europas gelten, erforderlich. Der "Tanktourismus“ - Lastkraftwagen die für den billigen Kraftstoff Umwege von hunderten Kilometern in Kauf nehmen - muss vermieden werden.

Wettbewerbsverzerrungen durch Dumpinglöhne für LKW-Fahrer, Überschreitung der Lenkzeiten, Überladung, stillgelegte Abgasnachbehandlung und die massive Missachtung der gesetzlichen Vorschriften verbilligen den Lkw-Verkehr und bringen die Schiene wieder ins Hintertreffen. Europaweit sind faire Arbeitsbedingungen im Transportsektor sowie rigorose Kontrollen und Überwachung der Sozialvorschriften durchzusetzen.

Die Eisenbahn-Bestandsstrecke muss zumindest für die nächsten Jahrzehnte den gesamten Verkehr aufnehmen. Dort muss der Schutz vor Lärm und Erschütterungen auf Neubau-Niveau gebracht werden sowie regelmäßig überprüft und an die Verkehrsentwicklung angepasst werden.

„Wir brauchen eine Begrenzung des Gesamtverkehrs und eine echte Verlagerung auf die Schiene. Die Bürger im Inntal müssen auch ohne den Bau einer Neubaustrecke ausreichend vor Schienenlärm geschützt werden“, appelliert Richard Mergner an die Politik. 

Für Rückfragen:
Annemarie Räder
Regionalreferentin Oberbayern
annemarie.raeder@bund-naturschutz.de

 

Dokumente zur aktuellen Studie von Vieregg-Rössler:
http://www.vr-transport.de/archiv/Inntal/

Weitere Informationen zum Brenner-Nordzulauf