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Wasserburg am Inn

Wissenswertes zum geplanten Neubau der Kampenwandbahn

Gegen was wehrt sich der BUND Naturschutz (BN) eigentlich?

Der BN wendet sich nicht gegen eine Modernisierung der bestehenden Bahn, soweit diese vorrangig das Ziel eines sicheren weiteren Betriebs verfolgt.

Für ausgesprochen problematisch halten wir allerdings die aktuellen Pläne für einen kompletten Neubau mit erheblicher Kapazitätserweiterung. Der BN ist davon überzeugt, dass in diesem sensiblen Gebiet ein Abriss und Neubau der Bahn, inklusive der Berg- und Talstation, erhebliche Schäden für Natur und Umwelt verursachen würde. Insbesondere seltene Arten wie beispielsweise das vom Aussterben bedrohte Birkwild oder der aus gutem Grund geschützte Naturwald sind zu wertvoll, um sie für rein kommerzielle Ziele zu gefährden.

Der Betreiber gibt an, dass es keine kleineren als Achterkabinen auf dem Markt gäbe. Er müsse entsprechend auf größere Kabinen und eine höhere Kapazität setzen.

Die Recherche des BN ergab, dass renommierte Seilbahnhersteller durchaus auch neue Viererkabinen anbieten. Es gibt also ernsthafte Zweifel an der Argumentation des Betreibers.

Wie viele Fahrgäste transportiert die Bahn eigentlich derzeit?

Der Betreiber war auch auf Nachfrage nicht bereit, seine aktuellen Fahrgastzahlen offen zu legen. Wir haben daher selbst in den Sommerferien an einem Sonntag bei gutem Wetter eine Zählung durchgeführt: An diesem Tag sind etwa 1000 Personen mit der Bahn auf die Kampenwand gefahren.

Mit welchen Fahrgastzahlen müsste man nach einem Neubau tatsächlich rechnen?

Hier eine Zahl zu nennen, wäre aus unserer Sicht nicht seriös. Rechnerisch verdreifacht sich die Kapazität durch die neue Bahn etwa von 450 auf mehr als 1500 Fahrgäste pro Stunde. Der Betreiber versicherte allerdings mehrmals, der Betrieb mit der neuen Bahn ginge unverändert ohne nennenswerte Fahrgastmehrung weiter. Wir fragen uns aber: Warum sollen 30 Millionen Euro für einen Neubau ausgegeben werden, wenn es anschließend genauso so weiter läuft wie vorher? Ernsthaft zu glauben, es würde danach alles beim Alten bleiben, erscheint uns recht naiv.

Wir halten es für klüger, bereits heute genauer hinzusehen: Die geplanten „Erlebniskabinen“ mit durchsichtigem Boden sollen zweifellos zusätzliche Fahrgäste anlocken. Aufhorchen lässt hier besonders ein Interview mit dem Marketingbeauftragten der Kampenwandbahn Benjamin Müller auf der Homepage Ski-Interviews.de: Auf die Frage, wo er die Kampenwandbahn in 20 Jahren sehe, antwortete er unmissverständlich: „Derartige Angebotserweiterungen werden zunehmen.“

Warum spricht der BN von Schickimicki und Gentrifizierung auf der Kampenwand?

Gentrifizierung ist die Verdrängung einkommensschwächerer Menschen aus ihrer Heimat aufgrund zu hoher Kosten. Leider beobachtet man diese Entwicklung zunehmend nicht nur in Städten, sondern auch in den Bergen.

Die Sonnenalm an der Bergstation der Kampenwandbahn entwickelte sich hier zu einem drastischen Beispiel. Sie befindet sich wie die Bahn selbst im Eigentum der Betreiberfamilie Zbil und zeichnet sich bereits jetzt durch ein hochpreisiges Speiseangebot aus (z. B. Kaiserschmarrn für 16,90 €). Darüber hinaus ist ein großer Teil des Außenbereichs nur besonders zahlungswilligen Gästen vorbehalten. Diese erhalten zum abgesperrten Bereich nur nach vorheriger Buchung Zutritt (z. B. Kaiser-Lounge-Menü für vier Personen 276 €).

Aufgrund dieses Preisniveaus befürchten wir, dass die Einheimischen weitgehend verdrängt werden.

 

Stimmt es, dass die Bahn vorrangig von Einheimischen genutzt wird?

Daran gibt es erhebliche Zweifel. Wir haben an einem Tag in den Sommerferien die Ortskennzeichen der zahlreichen Autos auf dem Bahnparkplatz ausgewertet: 49 % kamen aus anderen Bundesländern oder dem europäischen Ausland, 25 % aus anderen bayerischen Regierungsbezirken, 18 % aus Oberbayern und nur 8 % aus dem Landkreis. Selbst wenn man annimmt, in den Sommermonaten würden überproportional viele auswärtige Besucher kommen: Das Bild von einer „Bahn für Einheimische“ trifft den Kern der Sache sicher nicht.

Wie ist die Verkehrserschließung der Kampenwandbahn zu beurteilen?

Auch wenn der Betreiber auf eine „gute Anbindung per Bus und Bahn“ hinweist – der oft gut gefüllte Parkplatz zeigt die Wahrheit: Die allermeisten Nutzer reisen mit dem eigenen PKW an. Bus und Bahn spielen hier leider keine große Rolle. Gleichzeitig ist die beengte Zufahrt durch den Ort Aschau keineswegs optimal und würde durch einen weiteren Besucheranstieg noch mehr belastet.

Warum wird der mögliche staatliche Zuschuss kritisiert?

Der Betreiber erhofft sich eine Förderung durch das bayerische Seilbahnförderprogramm, welches Seilbahnen dieser Größe zu etwa einem Drittel bezuschusst. Der BN sieht diese Form von Zuschuss für nicht nachhaltige Seilbahnbauten insgesamt kritisch. Wenn nun, wie in diesem Fall, mit Steuermitteln Naturzerstörung im großen Stil betrieben werden soll, halten wir das für eine Fehlentwicklung. Zumindest nach Einbruch der Dunkelheit sollte um die Sonnenalm Ruhe einkehren. Daher lehnen wir es ab, wenn mit öffentlichen Mitteln das geplante nächtliche Remmidemmi gefördert werden soll.

Hätte die Kampenwandbahn ohne Kapazitätssteigerung überhaupt eine Zukunft?

Interessanterweise erkennt man andernorts durchaus, dass das Streben nach „immer größer“ oder „immer mehr“ zu Problemen führt. Wie auch ältere Bergbahnen ohne Mengenwachstum eine Zukunft haben können, zeigt sich im Ort Bad Kohlgrub/Allgäu. Die dortige Hörnle-Bahn gibt es seit 1953. Interessierte finden über den nachfolgenden Link eine Schilderung, wie man eine ältere Bahn auch nachhaltig und maßvoll betreiben kann:
https://www.br.de/nachrichten/bayern/das-hoernle-bleibt-ein-entschleunigungsberg-sanfter-tourismus,SuQ6LRd?UTM_Name=Web-Share&UTM_Source=E-Mail&UTM_Medium=Link

 

Mehr zum Thema:
https://rosenheim.bund-naturschutz.de/brennpunkte-vor-ort/kampenwandseilbahn