Löffelkraut & Co. - Bericht 2016

Rückblick auf ein ereignisreiches und produktives Projektjahr 2015

Die Arbeitsschwerpunkte im Projektjahr 2015 lagen in Maßnahmenumsetzungen zur Verbesserung der Siedlungsmöglichkeiten für das Bayerische Löffelkraut an Quellstandorten, in Wiederansiedlungen bzw. Populationsstützungen durch gezielte Ansaat und nicht zuletzt in der Öffentlichkeitsarbeit. Dank der sorgfältigen Planung und frühzeitigen Einbeziehung der zuständigen Behörden und Eigentümer erhalten wir von allen Seiten wohlwollende Unterstützung und ein steigendes Interesse für das Biodiversitätsprojekt "Löffelkraut & Co."

Ich spreche bewusst von "wir", denn alles wäre nicht ohne die große Unterstützung möglich gewesen, die ich v. a. von den BN-Ortsgruppen erfahren habe. Durch sie wird das Projekt fest im BN verankert. Den Helfern und Betreuern möchte ich deshalb an dieser Stelle herzlich danken, allen voran Gertrud Knopp, die das gesamte Projekt von Anfang an begleitet und mit organisiert.

Bereits im April begannen die ersten geführten Exkursionen. Besonders viel Spaß machte dabei die Exkursion mit der befreundeten Kreisgruppe Landshut, die per Bus mit 45 Mitgliedern anreiste, um das Kupferbachtal mit seinen artenreichen Streuwiesen und den Löffelkrautvorkommen kennen zu lernen. Eher im familiären Kreis verlief dagegen eine Wanderung zu den Vorkommen bei Halfing, die uns wegen des heftigen Pollenflugs und der Sichtung einer Kreuzotter sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Die Blütezeit des Bayerischen Löffelkrauts wurde jedoch auch für eine genaue Bestandsaufnahme der Vorkommen genutzt, um den Entwicklungstrend abschätzen und - falls notwendig - entsprechende Pflegemaßnahmen vorbereiten zu können. Dabei zeigte es sich, dass einige Vorkommen durch Schneckenfraß stark dezimiert, teilweise sogar vernichtet worden waren. Diese Gefährdungsursache war bisher nicht bekannt und stellt uns nun gegen Ende der Projektlaufzeit vor neue Herausforderungen.

Im Juni wurden von allen Wuchsorten reife Samen "geerntet", um sie für Wiederansiedlungen und Populationsstützungen an gefährdeten Wuchsorten zu verwenden. Ausgesät wurden jeweils nur Samen des gleichen Wuchsgebiets, da genetische Verfälschungen vermieden werden müssen. Einige Saatflächen wurden mit einem eigens konstruierten Schneckenschutz versehen, um mehr über die Auswirkungen des Schneckenfraßes auf die natürliche Verjüngung des Bayerischen Löffelkrauts in Erfahrung zu bringen. Neben den populationsstützenden Maßnahmen in Vagen ist 2016 auch eine Wiederansiedlung im Kühlachen geplant. Hier unterstützen uns die Botanischen Gärten Marburg, Regensburg und Salzburg mit Nachzuchten aus den von uns gesammelten Samen. Im nächsten Frühsommer erhalten wir dann eine Lieferung mit Löffelkrautpflänzchen, die hoffentlich gut an den für sie vorbereiteten Stellen anwachsen. Eine genaue Beobachtung und Dokumentation der Entwicklung von Ansaaten und Pflanzungen ist aus fachlichen Gründen notwendig und gehört zu den begleitenden Arbeiten.

Überzähliges Samenmaterial wurde an die Genbank "Bayern Arche" geliefert. Hier werden die Samen in einem speziellen Verfahren dauerhaft gelagert, um im Notfall frisches Material nachziehen zu können. Die Genbank leistet damit einen wichtigen Beitrag zur nationalen Biodiversitätsstrategie.

Im Herbst 2015 erhielten wir grünes Licht für die schon seit langem geplanten Sanierungsarbeiten am Bach im Kühlachen. Seit dem Hochwasser 2013 war er unser "Sorgenkind", da sich ein großer Erosionsanriss im Quellgebiet aufgetan hatte und der Bach an vielen Stellen aus seinem aufsedimentierten Bachbett ausgebrochen war - mit stark negativen Auswirkungen auf die hier vorhandenen Bestände von Feuersalamander, Kriechendem Scheiberich und Bayerischem Löffelkraut. Aber auch die Landwirte der angrenzenden Flächen kamen zunehmend in Bedrängnis, da sie ihre Pflegeverträge auf den unter Wasser stehenden Streuwiesen kaum noch erfüllen konnten. Mit dem Bau eines Sandfangs, der Sanierung einer Wegüberquerung und der Freilegung des Bachlaufs im Talbereich wurden die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wiederansiedlung des Bayerischen Löffelkrauts und die Wiederausbreitung des Kriechenden Scheiberichs geschaffen. Es bleibt zu hoffen, dass auch die deutlich aufwändigeren Sanierungsabschnitte 1-3 noch während der Projektlaufzeit umgesetzt werden können.

Besonders spannend ist das Sanierungsprojekt an den Urschlachquellen zum Zweck der Wiederansiedlung des Bayerischen Löffelkrauts. Hier wurde eine alte Aufschüttung entfernt und der Umgriff eines Quelltopfs so ausmodelliert, dass eine Wiederansiedlung im nächsten Sommer mit den Nachzuchten der Botanischen Gärten erfolgversprechend erscheint. An den Urschlachquellen kam das Bayerische Löffelkraut noch im Jahr 1984 an einer anderen Stelle vor, das Vorkommen war jedoch schon im Jahr 1990 erloschen und der Standort mit Fichten aufgeforstet. Seither gibt es in Oberbayern nur noch 7 Wuchsgebiete mit der seltenen, endemischen Art. Sollte unser Vorhaben gelingen, wäre dies ein großartiger Projekterfolg.

Neben diesen "Highlights" gab es natürlich auch im Jahr 2015 wieder diverse Ortstermine mit den Naturschutzbehörden, Eigentümern und Pflegeverbänden, Arbeitsgespräche mit übergeordneten Behörden und Vertretern des BfN, interne Abstimmungen und nicht zuletzt viel PC-Arbeit für Dokumentationen, Auswertungen und weitere Planungen. Als Zeichen für eine wachsende Anerkennung unseres Projekts möchte ich dabei deuten, dass ich von Behörden, Pflegeverbänden und Eigentümern zunehmend um Rat bei Pflegemaßnahmen und geplanten Eingriffen gefragt wurde.

Ein kleiner Wermutstropfen ist und bleibt allerdings die bisher noch zu wenig erfolgreiche Suche nach weiteren Betreuern für die Wuchsorte um Halfing und im Kühlachen, die sich nach Projektschluss um die Vorkommen des Bayerischen Löffelkrauts kümmern und darauf achten, dass die Entwicklung in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Dabei kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Aufgabe eine wahre Bereicherung ist. Es verging kaum ein Geländetag, an dem ich nicht irgendetwas Interessantes oder Neues entdecken konnte. Unsere Quellgebiete vereinen in sich eine unglaubliche Artenvielfalt, Ursprünglichkeit und ästhetische Schönheit, die jeden in ihren Bann zieht, der sich mit ihr auseinandersetzt.

Wer sich weiter über das Biodiversitätsprojekt informieren möchte, kann dies auf unserer neu überarbeiteten Homepage tun (www.loeffelkraut.de) oder uns auf facebook besuchen. Hier posten wir laufend Neuigkeiten, interessante Ereignisse und Hinweise auf Exkursionen und Ausstellungen. Und falls Sie Interesse gefunden haben und das Projekt aktiv als Betreuerin/Betreuer unterstützen möchten, melden Sie sich einfach direkt bei der Projektbetreuerin unter gabriela.schneider@loeffelkraut.de, bei der BN-Kreisgruppe Rosenheim oder bei der BN-OG Feldkirchen-Westerham.

Der Schneckenschutz erwies sich als sehr erfolgreich bei der Wiederansiedlung des Bayerischen Löffelkrauts durch Ansaat.
Am Sammelpunkt in Halfing wird noch einmal die Exkursionsroute besprochen. Sie verlief teilweise auf dem durchaus empfehlenswerten Moorlehrpfad der Gemeinde.
Mit großem Interesse informierten sich die Mitglieder der BN-Kreisgruppe Landshut über unsere Projektarbeit.
Mit viel Geschick und großer Sensibilität für die Empfindlichkeit der Lebensräume unterstützte uns der Maurer Hans vom Taubenberg bei der Bachsanierung im Kühlachen.

Text und Bilder:
Gabriela Schneider