Eschentriebsterben greift auch in Rosenheim um sich

Pressemitteilung von Bay. Staatsforsten und BN

Im Mangfall-Auwald hatte der Forstbetrieb Schliersee Anfang des Jahres in den Rosenheimer Stadteilen Oberwöhr und Am Gries aus dringenden Gründen der Verkehrssicherheit zahlreiche am Eschentriebsterben erkrankte Bäume gefällt.

Nachdem aus der Bevölkerung viele Fragen dazu aufgekommen waren, fand auf Initiative der Ortsgruppe Rosenheim des BUND Naturschutz (BN) nun ein gemeinsamer Ortstermin mit dem Forstbetrieb Schliersee statt.

Vor einer wegen Eschentriebsterbens umgestürzten Esche: von den Bayerischen Staatsforsten Jörg Meyer (2. von rechts), Felix Hermann (3. von rechts); vom BN von links Ulla Fees, Gerhard Schmidt, Steffen Storandt, Wolfgang Matschke, Daniela Dieckhoff, Barbara Hippmann

29.03.2019

Die BN-Ortsgruppe mit ihrem Vorsitzenden Steffen Storandt machte deutlich, dass dieser Auwald als gesetzlich geschütztes Biotop und Landschaftsschutzgebiet besondere Bedeutung für die Artenvielfalt, aber auch für Landschaftsbild und Naherholung hat. Kritisiert wurde, dass der Forstbetrieb die Öffentlichkeit vor Durchführung der Fällungen nicht informierte. Durch die Holzernte nicht nur von Eschen und die Anlage von Rückegassen wurden die Waldbestände nach vielen Jahren ohne Eingriff nun stark aufgelichtet. Die Rückegassen werden bei Bedarf in Zukunft erneut verwendet. Dies alles hat bei vielen Rosenheimern, denen ihr Wald sehr am Herzen liegt, Fragen über Notwendigkeit und Umfang der Baumfällungen aufgeworfen und auch einigen Unmut hervorgerufen.

Forstbetriebsleiter Jörg Meyer und der zuständige Revierleiter Felix Hermann informierten bei der Ortsbegehung über die Hintergründe der Holzernte.

Das durch den Pilz »Falsches Weißes Stengelbecherchen« verursachte Eschentriebsterben ruft bei Eschen jeden Alters schwere Schäden hervor und führt in der Regel zu einem langsamen Absterben der betroffenen Bäume. Die Krankheit wurde aus Ostasien eingeschleppt und 2008 erstmals in Bayern nachgewiesen; seither hat sie sich dort rasant ausgebreitet. Leider sind auch die Bestände entlang nahe der Mangfall großflächig betroffen.

Die Krankheit führt zu einem langsamen Absterben in der Krone, das sich nach und nach auch auf die stärkeren Äste ausbreitet. Diese können bereits bei geringem Wind unvermittelt abbrechen und zu Boden fallen. Im fortschreitenden Krankheitsverlauf werden die betroffenen Eschen meist von weiteren Pilzen wie dem Hallimasch besiedelt. Dies führt zum Verlust der Wurzelstabilität, wodurch ein Baum plötzlich umstürzen kann.

Um die für Anwohner und Benutzer der angrenzenden öffentlichen Wege und Straßen bestehende Gefährdung zu beseitigen, führte der Forstbetrieb Schliersee der Bayerischen Staatsforsten im Januar die Fällungsmaßnahmen durch. Diese waren mit den lokalen Behörden und - da sich auf einigen Eschen Nester der geschützten Saatkrähe befanden - auch mit dem Landesbund für Vogelschutz und der Regierung von Oberbayern abgestimmt worden.

Entlang der Wege und Straßen wurden alle erkrankten Eschen in einem Streifen entfernt, der in etwa so breit wie die Länge der Bäume ist. Im Waldinneren fällte man nur die besonders stark betroffenen Eschen. Vitalere Exemplare blieben dort in der Hoffnung auf Erholung oder sogar Resistenzbildung stehen. Um die Eschen sicher fällen zu können, war es auch erforderlich, einige Bäume anderer Baumarten umzuschneiden. Aus Sicherheitsgründen wurde eine Holzerntemaschine eingesetzt, deren Fahrer in seiner Kabine vor Verletzungen durch das Ausbrechen toter Äste aus der Baumkrone geschützt ist.

Das Ast- und Kronenmaterial der gefällten Bäume belässt der Forstbetrieb bewusst im Wald, um dem Boden Nährstoffe zurückzugeben und durch Totholz einen wichtigen Lebensraum für viele Pilze, Pflanzen und Insekten zu schaffen. Auf den im Wald entstandenen Lücken soll sich nun zügig eine neue Auwaldgeneration bilden, bestehend z. B. aus Bergahorn, Linde, Eiche und Traubenkirsche.

Forstbetriebsleiter Meyer warb um Verständnis, dass eine Pressemitteilung erst kurz nach Abschluss der Hiebsmaßnahme verschickt werden konnte, weil wegen besonderer Witterungsverhältnisse an anderer Stelle eine Änderung der Arbeitsreihenfolge erforderlich war.

Bedauerlicherweise gibt es in Rosenheim sowie bei Bad Aibling noch weitere Eschenbestände entlang der Mangfall, in denen der Forstbetrieb in naher Zukunft Verkehrssicherungsmaßnahmen durchführen muss.

Meyer sicherte zu, vor künftigen Fällungen im diesem Bereich die Öffentlichkeit rechtzeitig zu informieren und auch den BN einzubeziehen. Es soll geprüft werden, ob bei ähnlichen Aktionen insbesondere im Waldinneren mehr Bäume erhalten bleiben können. Außerdem wurde vereinbart, dass der Forstbetrieb Schautafeln aufstellen wird, auf denen man sich über das Eschentriebsterben, die Hintergründe der Fällungsmaßnahmen und die zukünftige Waldentwicklung auf den Hiebsflächen informieren kann.

BN-Ortsgruppe und Forstbetrieb bedankten sich für den offenen und konstruktiven Austausch, der auch in Zukunft fortgesetzt werden soll. Aus dem Ortstermin ergab sich auch gleich eine gemeinsame Naturschutzaktion: An geeigneter Stelle soll ein bunter Waldrand aus verschiedenen heimischen Straucharten und seltenen Laubbaumarten angelegt werden – ein aktiver Beitrag für mehr Artenvielfalt in der Stadt Rosenheim.

Steffen Storandt
BUND Naturschutz, Ortsgruppe Rosenheim

Jörg Meyer
Bayerische Staatsforsten, Forstbetrieb Schliersee

Gekürzte Version im OVB vom 18.04.2019 "Eschentriebsterben in Rosenheim":
https://www.ovb-online.de/rosenheim/rosenheim-stadt/eschentriebsterben-rosenheim-12202399.html