Amphibienschutz im Landkreis Rosenheim

Die Mehrheit der einheimischen Amphibienarten sind "besonders geschützte Arten" nach §44 des Bundesnaturschutzgesetzes. Nicht nur die Einzeltiere sondern auch ihre Lebens- und Fortpflanzungsräume stehen unter besonderem Schutz. Es sind dabei Sommerlebensräume, Überwinterungsbiotope, Laichplätze und Wanderstrecken zu unterscheiden.

Der gute Zustand aller genannten Lebensräume ist nötig, um stabile Amphibienpopulationen zu erhalten.

Immer wieder verändern sich die Zahlen der gesammelten Amphibien an einzelnen Strecken. Häufig ist es ein kontinuierliche Rückgang oder auch ein starker Einbruch der Zahlen, manchmal werden uns auch deutliche Anstiege oder neue Wanderstrecken gemeldet. Bei starken Einbrüchen der gesammelten Amphibien stellt sich die Frage nach den Ursachen und möglichen Gegenmaßnahmen. Eine extreme Abnahme von Amphibien gab es beispielsweise an der Straße Ro 45 westlich von Rott im Rotter Forst. Nach 2650 Kröten, Fröschen und Molchen im Jahr 2015 wurden 1564 Tiere im Jahr 2016 gezählt, 2017 waren es nur noch 715.

Dabei können verschiedene Faktoren der Waldbewirtschaftung eine Rolle spielen. Größere Freiflächen nach Hiebmaßnahmen werden von Amphibien gemieden. Zu schattige Waldteile möglicherweise ebenfalls. Waldarbeiten während des Amphibienzuges können auch die Population beeinträchtigen.

Um den Ursachen im Rotter Forst auf den Grund zu gehen und die Situation der Amphibien im Rotter Forst zu verbessern, trafen sich Vertreter vom Forst, der unteren Naturschutzbehörde und der BN-Kreisgruppe Rosenheim mit dem BN-Forstreferenten Dr. Ralf Straußberger und örtlichen Amphibienschützern. Insgesamt ist auch im Rotter Forst nicht bekannt, wo sich die Sommer- und Winterlebensräume genau befinden. Eine Untersuchung hierzu wird von allen befürwortet. Zudem wurde vereinbart, dass während der Amphibienwanderung keine flächigen Hiebmaßnahmen durchgeführt werden. Alle Teilnehmer begrüßten den direkten Austausch.

Insgesamt wurden 2017 fast 9000 Kröten und Frösche und Molche an den Zäunen im Landkreis aufgesammelt und sicher über die Straße gebracht. Dabei waren 59 Helfer über 1000 Stunden unterwegs.

Beim alljährlichen Treffen der Amphibienbetreuer/innen informierte Frau Geise, Amphibienspezialistin des BN, in ihrem Vortrag über die Ansprüche verschiedener Arten an Laichgewässer. Amphibien können sich auch in Gewässern mit Fischbesatz fortpflanzen, wenn geeignete Strukturen durch Wasserpflanzen vorhanden sind. Erschreckend war die Information, dass Grasfrösche, die in Kontakt mit dem Herbizid Glyphosat kommen, innerhalb kurzer Zeit sterben. Nicht nur der Wirkstoff, auch die nicht getesteten Zusatzstoffe spielen hierbei eine Rolle.