Löffelkraut & Co. - Bericht 2014

Nachdem die Arbeiten zum Schutz des endemischen Bayerischen Löffelkrauts (Cochlearia bavarica) und weiterer seltener Arten in seinem Umfeld angelaufen sind, stand 2013 in Oberbayern die Bekanntmachung des bundesweiten Biodiversitätsprojekts „Löffelkraut & Co.“ Im Vordergrund. Es fanden Vorträge, Ausstellungen und Exkursionen zu den Standorten dieser besonderen Pflanze statt. Auch die Durchführung von Pflegearbeiten und die Planung neuer Maßnahmen ging weiter.

Einer der wertvollsten Naturschätze unserer Voralpenlandschaft ist das Bayerische Löffelkraut (Cochlearia bavarica). Die weltweit einzigen Vorkommen dieses Endemiten liegen in Schwaben und Oberbayern.

Foto: Gertrud Knopp

Damit dieser echte „Urbayer“ erhalten bleibt, hat der Bund Naturschutz mit seinen Kreisgruppen Rosenheim, Ebersberg und München sowie drei schwäbischen Kreisgruppen die Trägerschaft für eines der ersten bundesweiten Biodiversitätsprojekte übernommen. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und des Bayerischen Naturschutzfonds.

Seit 2012 laufen nun im Rahmen dieses Projekts die Arbeiten zum Schutz des endemischen Bayerischen Löffelkrauts (Cochlearia bavarica) und weiterer seltener Arten in seinem Umfeld.

Zuerst ist es wichtig und Voraussetzung, die aktuellen Bestände genau zu kennen. Deshalb wurden zuerst alle bekannten Wuchsorte überprüft und mit früheren Kartierungen verglichen. Eine erste Bilanz zeigt einen besorgniserregenden Entwicklungstrend. Von den vier Wuchsgebieten im Landkreis Rosenheim zeigt nur ein einziges (Lungham) eine deutlich positive Entwicklungstendenz, was eindeutig auf die durchgeführten Pflegemaßnahmen zurückzuführen ist. In zwei Gebieten (Vagen, Thalham) sind deutliche Flächenverluste zu verzeichnen. Ein Wuchsgebiet (Kühlachen; Rosenheimer Teil) steht kurz vor dem Erlöschen und bedarf dringend gezielter Hilfsmaßnahmen.

Eine Ursache für den Rückgang ist sicher die Verschlechterung der Lebensräume. Das Bayerische Löffelkraut kommt nur an kalkoligotrophen (kalkreichen und nährstoffarmen) Quellfluren, Quellbächen und Quellmooren vor und reagiert empfindlich auf standörtliche Veränderungen.

„Große“ Pflegemaßnahmen wie Mäharbeiten werden auf den Quellfluren und Mooren schon länger durchgeführt. Zu den Aufgaben der Projektmanagerin Gabriela Schneider gehört es, diese zu optimieren. Der Bund Naturschutz ist dabei in engem Kontakt mit den Naturschutzbehörden, dem Wasserwirtschaftsamt und den Maschinen- und Betriebshilfsringen. Wichtig ist, die Grundeigentümer (Landwirte) und engagierte Ortskundige für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Während der Laufzeit des Projekts soll daher für alle Wuchsorte ein Netzwerk von speziell eingewiesenen Betreuern aufgebaut werden, die den jeweiligen Erhaltungszustand kontinuierlich kontrollieren und so eine rasche Reaktion auf mögliche Verschlechterungen ermöglichen.

2013 war das kleine Löffelkraut der Star der Auftaktveranstaltung zur BayernTour Natur in Oberbayern. Viel Prominenz, darunter der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand und der Vorsitzende des BUND Naturschutz in Bayern e.V. , Prof. Dr. Hubert Weiger, waren gekommen, um bei einer Exkursion ins Kupferbachtal die seltene Pflanze näher kennen zu lernen.

Nach dieser Vorstellung des Projekts in Oberbayern gab es im Laufe des Jahres noch Exkursionen zu den einzelnen Wuchsorten im Kupferbachtal, bei Vagen und in der Umgebung von Halfing.

Noch 2012 wurde eine kleinere Artenhilfsmaßnahme in Thalham umgesetzt, die der Wiederausbreitung des Bayerischen Löffelkrauts an einem Quellbach dient.

Auch 2013 wurden kleine Maßnahmen durchgeführt, wie z.B. das Beseitigen von Springkraut im Kupferbachtal. Dieses breitet sich von den Rändern in Richtung Talgrund aus, dahin, wo auch das empfindliche Löffelkraut wächst. Deshalb machten sich freiwillige Helfer der Bund Naturschutz Ortsgruppe Feldkirchen-Westerham zusammen mit der Projektleiterin Gabriela Schneider daran, in einem ehemaligen Quellmoor die Springkrautpflanzen zu beseitigen. Eine größere Fläche wurde „springkrautfrei“ und Gabriela Schneider äußerte sich zuversichtlich: „Die Aktion ist ein wichtiger Beitrag, um die Ausbreitung des Springkrauts in Richtung Talgrund zu verhindern und die Art wieder zurück zu drängen.“ Sie dankte den Helfern für ihren Einsatz zum Erhalt der Vielfalt an seltenen Pflanzen in diesem ursprünglichen Naturraum. Die Entwicklung des Springkrauts wird weiter beobachtet, die Aktion wird 2014 wiederholt.

Foto: Gabriela Schneider

Im Kupferbachtal fanden auch erste Gespräche mit Behörden und Eigentümern statt, um einen Quellbach wiederherzustellen. Dieser hatte nach starken Regenfällen sein ursprüngliches Bett verlassen und große Geschiebefrachten abgelagert. Im Rahmen des Projekts ist geplant, den Bach wieder in sein ursprüngliches Bett zurückzuverlegen. Dabei sollen auch die Habitatbedingungen für die rückläufige Salamanderpopulation verbessert werden. Schließlich soll die Maßnahme dazu dienen, die Vernetzungsfunktion für die Löffelkrautbestände wiederherzustellen und die Apium repens-Vorkommen im Talraum zu sichern.

Bitte um Spende von Kalktuff-Steinen

An einigen Quellbächen muss der Wasserhaushalt dringend verbessert werden, um die hier vorhandenen Vorkommen des Bayerischen Löffelkrauts nachhaltig zu sichern. Wir suchen deshalb dringend Kalktuff-Steine, die wir zur Sohlanhebung und Strukturanreicherung tiefliegender Quellgräben verwenden wollen. Falls Sie solche Steine besitzen und für das Projekt spenden möchten, melden Sie sich bitte bei Gabriela Schneider (Tel. 08026/1367, E-mail: schneider-hausham@t-online.de).

Sie helfen Sie nicht nur dem Bayerischen Löffelkraut, sondern auch weiteren wichtigen Co-Arten, wie z.B. dem Feuersalamander.


Aktuelle Informationen zum Biodiversitätsprojekt „Löffelkraut & Co.“ gibt es auf

https://www.facebook.com/loeffelkraut

Ausführliche Informationen zum Löffelkraut :

http://www.loeffelkraut.de