Ein bisschen mehr Klimaschutz reicht nicht

Dezember 2019: Leserbrief zum Artikel "Die Stadt Rosenheim ruft keinen Klimanotstand aus – die Grünen sprechen dennoch von Erfolg" im OVB

Man muss den "for future"-Gruppen dankbar sein, dass sie die Dringlichkeit von Energiewende und Klimaschutz in die Öffentlichkeit bringen, gerade auch in Rosenheim.

Laut den Energieberichten wird die Stadt nämlich das 2012 vom Stadtrat einstimmig beschlossene Klimaschutz-Ziel für 2025 deutlich verfehlen. Einen hauptamtlichen Klimaschutz-Manager, der sich um die Umsetzung des Ziels kümmern könnte, gibt es nicht mehr. Vorbildhafte Energieeinsparung und Sonnenenergie-Nutzung bei den städtischen Immobilien findet man kaum, ebenso selten entsprechende verpflichtende Vorgaben in der Bauleitplanung. Kein Wunder, dass vergleichbare Städte wie Landshut und Passau pro Einwohner mehr als doppelt so viel Photovoltaik-Strom produzieren! Die Kraft-Wärme-Kopplung ist prinzipiell zu begrüßen; Rosenheim hat aber einen traurigen Vorsprung vor den meisten bayerischen Städten bei der klimaschädlichen Verbrennung von Restmüll, der wo nur möglich vermieden und wiederverwertet werden müsste. Der größte Teil des stark wasserhaltigen Biomülls wird entgegen dem Kreislaufwirtschaftsgesetz sinnlos verbrannt, anstatt speicherbare Energie und Dünger zu liefern. Beim Verkehr sind die umweltfreundlichen Verkehrsträger zu fördern, was beim ÖPNV Zuschüsse der Stadt erfordert; gleichzeitig muss die Nutzung des Autos gerade in der Innenstadt unattraktiver werden.

Auch bei der Klimaanpassung sind in Rosenheim große Defizite festzustellen. Gegen steigende Temperaturen helfen insbesondere große alte Bäume; sie haben wesentlich größere positive Wirkungen z. B. auf das Mikroklima als kleine junge. Dass am Bahnhof so viele gesunde Bäume gefällt wurden und werden, übrigens meist für motorisierten Individualverkehr, ist ein schwerer Fehler und ein schlechtes Vorbild für die ganze Stadt. Es müsste alles getan werden, um vorhandene Bäume am Bahnhof wie anderswo zu erhalten. Dach- und Fassadenbegrünung werden meist nur als Deckmäntelchen für neuen Flächenverbrauch eingesetzt. Bei der Öffnung und Aufwertung von Bächen geschieht viel zu wenig. Im Hinblick auf häufigere Extremwetter-Ereignisse müsste man spätestens seit 2013 wissen, dass Breitwasser, also viel Platz für den Fluss, besser ist als Hochwasser. Aber ausgerechnet in Oberwöhr soll wieder einmal eine minimale Deichrückverlegung genügen - für maximale Bebauung dahinter!

Viele Stadträte haben den Ernst der Lage offenbar nicht erkannt; ein bisschen mehr Klimaschutz reicht keinesfalls! Man kann nur hoffen, dass die Verwaltung bald zielführende Maßnahmen vorschlägt, die dann von einem neuen Stadtrat auch tatsächlich umgesetzt werden.

Steffen Storandt
BUND Naturschutz Ortsgruppe Rosenheim

Gekürzte Version des Leserbriefs im OVB

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