Leserbrief zur Bahnhofsunterführung

Augen zu und durch?

Schön, dass es in Form eines Mangfallstegs am Freibad eine neue "Stadtteilverbindung" geben soll. Möglicherweise erspart der Steg, am Landschaftsarchitekten-Schreibtisch im fernen Berlin geplant, tatsächlich einigen Fußgängern und Radfahrern einen Umweg von vielleicht 200 Metern.

Wesentlich wichtiger wäre das Engagement der Stadt für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer aber an ganz anderer Stelle, nämlich am Bahnhof. Denn nach den aktuellen Plänen sollen die Radfahrer dort durch die zehn Millionen Euro teure Unterführung schieben - immerhin 140 Meter weit, den Auf- und Abstieg über die verwinkelten Treppen noch nicht gerechnet. Will jemand mit dem Rad aus dem Süden in die Innenstadt fahren, muss er wie bisher kilometerweite Umwege über die Verkehrsbrennpunkte Kufsteinerstraße oder Brückenberg in Kauf nehmen – für viele eher die Wahl zwischen Pest und Cholera als eine akzeptable Alternative! Vermutlich werden Radfahrer in der Unterführung zu fahren versuchen; ständige Konflikte mit Fußgängern sind vorprogrammiert. Wer mit Rollstuhl oder Kinderwagen durch will, ist auf die Funktion der Aufzüge angewiesen. Und nachts stehen vielleicht alle vor verschlossener Tür, denn die Unterführung ist derzeit eine Sache der Deutschen Bahn.

Dass die Bahn nur einen Zugang zu den Zügen haben will, ist logisch. Aufgabe einer zukunftweisenden städtischen Planung wäre es aber, mehr aus dieser historischen Chance zu machen, nämlich eine Stadtteilverbindung, die diesen Namen verdient. Dass es technisch geht, zeigen Beispiele aus anderen Städten. Wichtig wäre das nicht nur zur Reduzierung des Autoverkehrs, sondern auch für die Gewerbetreibenden auf beiden Seiten der Gleise. Und nicht zuletzt wird damit das Ziel der Landesgartenschau umgesetzt, die Stadt besser an die Flüsse anzubinden.

Noch bis zum 4. Juni haben die Rosenheimer die Möglichkeit, zur Bahnhofsplanung des Stadtplanungsamtes Stellung zu nehmen - auch zu anderen Aspekten wie die Erhaltung alten Baumbestandes und neuen Grünanlagen. Sie sollten regen Gebrauch davon machen!

 

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