Leserbrief zur Beteiligung an einem Kohlekraftwerk

Stimmt die Kohle?

Umweltschutz, soziale Verantwortung und Wirtschaftlichkeit sind laut eigenem Bekunden die Leitlinien der Stadtwerke Rosenheim. All diese Ziele könnten bei einer Beteiligung an einem Steinkohlekraftwerk in Herne freilich auf der Strecke bleiben.

Mit dem Umweltschutz ist es auch bei diesem „modernen“ Steinkohlekraftwerk nicht weit her: Der für 2012 angepeilte Wirkungsgrad liegt weit unter dem eines effizienten Gas-Blockheizkraftwerks von heute; rund die Hälfte der eingesetzten Energie verpufft als Wärme. Wegen ihres hohen CO2-Ausstoßes gelten Kohlekraftwerke zu Recht als Klimakiller. Schadstoffe wie Schwefeldioxid, Schwermetalle und Feinstaub lassen sich nicht restlos ausfiltern. Dass die Kohle bis aus Australien herbeigeschafft werden muss, verschlechtert die Ökobilanz weiter.

Von Dampfwolken und giftigen Abgasen, die man den Einwohnern von Herne und Umgebung zumutet, einmal abgesehen: In den meisten Kohle-Förderländern sind Tagebau mit enormer Staubentwicklung oder Gruben-Unfälle mit vielen Toten leider üblich. Kinder müssen zum Beispiel in den Schächten Kolumbiens arbeiten. Endet die soziale Verantwortung an der Stadtgrenze?

Selbst wenn man nur auf die Wirtschaftlichkeit schaut, tun sich enorme Risiken auf: Die für Kohlekraftwerke momentan günstigen Bedingungen könnten sich gerade wegen der CO2-Problematik rasch verschlechtern. Spätestens, wenn Länder wie China vom Exporteur zum Importeur von Kohle werden, dürfte sich deren Preis drastisch erhöhen. Dann stimmt nicht einmal mehr die „Kohle“.

Natürlich lassen sich alte Atom- und Fossilkraftwerke nicht von heute auf morgen durch hocheffiziente lokale Kraftwerke und erneuerbare Energien zu ersetzen. Aber viele Rosenheimer würden lieber konkrete Schritte in diese Richtung sehen als vage Ankündigungen und jahrzehntelange Festlegung auf eine veraltete Technik. Nicht zu vergessen: Ein Investment in der Region würde hier auch Arbeitsplätze schaffen und sichern!

 

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