Müllverbrennung - eine heilige Kuh?

November 2015: BN-Leserbrief zum OVB-Artikel "Presscontainer statt Biotonne"

Wenn man den Stadtwerken und einigen Kommunalpolitikern glaubt, ist die Rosenheimer Müllentsorgung das Beste, was es auf diesem Gebiet gibt. Die Wahrheit sieht leider anders aus: Die unsortiert verbrannte Hausmüll-Menge von 212 kg pro Kopf und Jahr liegt deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer bayerischer Städte von 173 kg; mit 87 kg gesammeltem Bioabfall bleibt man weit unter dem Mittelwert von 157 kg. Durch Einführung der Biotonne könnte Rosenheim daran etwas ändern, wie es schon die allermeisten Städte getan haben.

Aber die erwähnten Akteure wollen diese Tonne nicht. Sie verbreiten Märchen über winzige mögliche Sammelmengen, über extreme Schwierigkeiten mit Fremdstoffen, über Gestank, Seuchengefahr und exorbitante Kosten für den Bürger - alles Probleme, die keine sind oder anderswo bereits gelöst wurden. Eigentliches Ziel ist es, die Auslastung der für Rosenheim viel zu großen Müllverbrennungsanlage zu garantieren und lästige Diskussionen z. B. über Abfalltourismus zu vermeiden. Das widerspricht klar den Zielen der Kreislaufwirtschaft.

In städtischen Gebieten, wo ja nur wenige kompostieren, werden mit Biotonne durchschnittlich 94 kg Biomüll pro Kopf und Jahr gesammelt. Dieser landet dann eben nicht in der Müllverbrennung, bei der er wegen seiner Feuchte wenig zur Energiegewinnung beiträgt und seine Reste mit der schadstoffbelasteten Schlacke irgendwo deponiert werden müssen. Vorzugsweise vergärt man ihn zunächst zu Biogas, das in einem Blockheizkraftwerk Strom und Wärme liefert. Eine solche Anlage ist flexibler als ein Müllheizkraftwerk und viel besser im Stande, Schwankungen von Wind- und Solarstromerzeugung auszugleichen. Gärreste und Komposte führen wertvolle Mineralstoffe und organische Substanzen wieder in den natürlichen Kreislauf zurück.

Die Bringsystem-Lösung ist keine. Die Rosenheimer müssten erst den Biomüll sicher verpacken, dann kilometerweit fahren und schließlich noch bezahlen. Dafür werden sie kaum zu gewinnen sein, ebenso wenig die Stations-Anwohner und die höheren Behörden. Wasserburg hat so nur 5 kg Biomüll pro Kopf und Jahr gesammelt und führt nun ein Holsystem ein. Wäre es nicht klüger, das gleich zu tun, mit den erlaubten Ausnahmen für Selbstkompostierer?

 

Zum gekürzten Leserbrief "Müllverbrennung als heilige Kuh" im OVB

Zum Artikel "Presscontainer statt Biotonne" im OVB

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