Stellungnahme zum AOK-Gelände in Fürstätt

Bebauungsplan Nr. 153 "Meraner Straße / Brunnholzstraße"

Jetzige Situation
Der Wald unmittelbar nördlich bis nordwestlich der AOK-Akademie ist einer der ökologisch wertvollsten im ganzen Rosenheimer Stadtgebiet. Er verkörpert seltene Waldtypen: Im Nordwesten gibt es Schwarzerlenfeucht- und Anmoorwälder (vermutlich 91E01 nach FFH Anh. 1), im Norden Eschen-Ahorn-Edellaubholzwald durchmischt mit Sommerlinden, Buchen, Eichen und Ulmen.

Im AOK-Gelände ist bereits jetzt ein sehr gut ausgebildeter Waldmantel mit einem Waldsaum aus vielfältigen Gebüscharten ausgebildet. Auffällig ist ferner das Vorkommen von Schneeglöckchen (Leucojum) und ein größeres Vorkommen der Christrose (Helleborus niger), wie man es bei Verwilderungen eigentlich kaum findet.

In den Waldabschnitten nahe der AOK-Akademie befinden sich auch grobborkige Altbäume, die sich als Zwischenquartier für Waldfledermäuse eignen.

Die wiederholte Einschätzung einer eher schlechten Waldstruktur in der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) können wir somit nicht teilen.

Das AOK-Gelände ist auch für Fledermäuse wichtiger, als es durch das Gutachten zum Ausdruck kommt. Auffällig ist, dass Fledermaus-Detektor-Nachweise in Karte 2 der saP nur entlang der Meraner Straße im Süden eingetragen sind. Es ist aber kaum vorstellbar, dass z. B. an den Waldrändern nördlich der Akademie keine Fledermäuse flogen. Fanden in diesen schlecht erreichbaren, für Fledermäuse aber besonders wichtigen Waldsaumzonen überhaupt Detektor-Begänge statt? Es liegt jedenfalls nahe, die nachgewiesenen seltenen Arten auch hier zu vermuten. Die saP nennt ferner nicht den Zeitpunkt der Detektor-Begänge. Wenn diese zu spät stattfanden, waren einzelne Arten vermutlich bereits abgewandert. Die Monate September und Oktober sind schließlich zur Untersuchung auf Fledermausquartiere alles andere als optimal; eine Nutzung von Quartieren z. B. als Wochenstuben läßt sich damit nicht sicher ausschließen.

Hohe Bedeutung hat der Wald und der Waldrand natürlich nicht nur für den Artenschutz, sondern auch für Frischluft, Klima und Naherholung!

Zukünftige Situation mit Wohnbebauung
Auf den Grundstücken selbst müsste der größte Teil der Bäume gefällt werden, insbesondere wegen der geplanten nördlichen Baureihe. Der Hinweis in der saP "Der Gehölzbestand auf dem AOK-Gelände ist weitgehend zu erhalten" ist mit dieser Planung ganz offensichtlich nicht erfüllt.

Zusätzlich beeinträchtigt der erweiterte Baumfallstreifen die wertvollen Kontaktwälder erheblich. Hierfür soll sogar überwiegend öffentlicher Grund in Anspruch genommen werden!

Auch die verbleibenden Gehölze auf den Grundstücken oder in der Nähe davon dauerhaft zu erhalten, dürfte schwer werden. Wer will bei den zu erwartenden hohen Preisen eine Nutzungseinschränkung für einen Teil des Gartens in Kauf nehmen? Spätere schleichende Veränderungen, auch zur Verbesserung von Lichteinfall und Aussicht, werden unausbleiblich sein. In der AOK-Akademie war sicher mehr Toleranz für das Belassen "unnützer" Flächen und Gehölze.

Das Gelände und seine Umgebung würde sehr viel stärker als bisher Störungen durch Lärm, Licht und Bewegung ausgesetzt.

Die Bereitstellung von Fledermaus-Kästen – die schon an anderen Stellen in Rosenheim nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat – sehen wir eher als Maßnahme zur Beruhigung des schlechten Gewissens.

Natürliche Lebensräume würden somit nicht gesichert oder gar weiterentwickelt, sondern beeinträchtigt und gefährdet. Neuer Wohnraum für einige wenige und die finanziellen Interessen des Eigentümers hätten mehr Gewicht als Natur und Naherholung. Die Maßnahme könnte zudem die Tür für weitere ähnliche Projekte an der Meraner Straße öffnen.

Fazit
Eine Wohnbebauung gemäß dem Bebauungsplan ist aus den geschilderten Gründen abzulehnen. Denkbar wäre allenfalls eine reduzierte Bebauung, die den Baumbestand auf dem Gelände weit mehr schont und den bestehenden Waldrand respektiert.

Es gäbe freilich weit bessere Alternativen:

  • Wie schon in unserer Stellungnahme vom Juni 2008 beschrieben, existieren durchaus Möglichkeiten für eine Weiternutzung der bestehenden Gebäude im Sinne der Allgemeinheit.
  • Die beste Lösung für Ökologie, Ortsbild und die Interessen der Rosenheimer Bürger wäre sicherlich eine Rückgabe der Fläche an die Natur.

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