Zur Startseite

Prien/Breitbrunn/Gstadt

Wasserburg am Inn

Jahreshauptversammlung November 2025

Flächennutzung – ist Rosenheim auf dem richtigen Weg?

Der Diplom-Biologe und CIPRA-Alpenpreisträger 2024, Alfred Ringler, begann seinen Vortrag mit einem Rückblick in die Geschichte Rosenheims. Anders als bei vergleichbaren Orten setzte hier in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine dynamische Entwicklung zum Verkehrsknotenpunkt und Wirtschaftszentrum in Südostoberbayern ein. Eine bittere spätere Folge dieses rasanten Wachstums war die Bombardierung des Bahnhofs durch die Alliierten im Jahr 1945. 

Die Fehlwürfe im Süden der Stadt richteten jedoch nur wenige Gebäudeschäden an, da die Besiedlung dort sehr dünn war. Aus einigen Bombentrichtern wurden sogar Biotope für Amphibien, wie der dort aufgewachsene Alfred Ringler erfreut entdeckte. Er musste jedoch gerade in den Außenbezirken einen immer stärker werdenden Flächenverbrauch zu Lasten von Natur und Landschaft feststellen. Seine Fotos vom gleichen Standort, zwischen deren Aufnahmedatum meist viele Jahre liegen, zeigen dies besonders deutlich. Eigene alte Flugaufnahmen lassen sich dabei gut mit neuen Google-Earth-Bildern vergleichen. Alfred Ringlers Fotosammlung, die er auf ganz Bayern ausweitete, umfasst mittlerweile übrigens 30.000 Bilder!

„Bei einigen Bauprojekten in Rosenheim flogen besonders viele Späne“, kritisierte Alfred Ringler. Ein Beispiel hierfür sind die massiven Eingriffe in den Fürstätter Wald, die „grüne Lunge“ Rosenheims, durch die Westtangente. Der BN hatte den Bau letztlich vergeblich beklagt. Die verkehrliche Wirksamkeit der Straße ist jedoch umstritten. Außerdem konterkariert die Trasse die Versuche der Wiedervernässung von Mooren auf dem benachbarten Versuchsgut. Wären die wahren Kosten der Straße früher bekannt gewesen, wäre sie wohl nicht gebaut worden. Bereits viel früher wurde durch den Bau der Südumgehung beim „Bauer in der Au“ ein wertvolles Feuchtbiotop zerstört. Als „Sündenfall“ stufte der Referent die Bebauung der Hangkante an der „Schönen Aussicht“ in Fürstätt ein. Er hat auch keinerlei Verständnis dafür, dass Hochwassergefahr und Grundwasserhochstände nie ein Grund waren, auf Neubauten zu verzichten.

Es gibt aber auch positive Beispiele: So hat sich in Alt-Happing bisher wenig verändert, doch aktuell besteht auch hier die Gefahr, dass durch eine neue Bebauung der Rubikon überschritten wird!

Links:

Bayern früher – heute: die Bilddatenbank des BUND Naturschutz zum Landschaftswandel in Bayern
https://www.bayern-frueher-heute.de/index.php

 

Rückblick und Ausblick über die Tätigkeit der Ortsgruppe

Der 1. Vorsitzende Steffen Storandt bedauerte, dass für den neuen Technologiepark der TH 80 Bäume gefällt wurden, obwohl die Stadt ein Klimawandelanpassungskonzept hat, das der Erhaltung alter Bäume größte Bedeutung einräumt. Trotz der Fällungen will man sogar ein Goldzertifikat für nachhaltiges Bauen erhalten!

Der Referent kritisierte erneut die neue Bebauung an der Krainstraße in Oberwöhr sowie generell den unzureichenden Schutz gegen Mangfall-Hochwasser. Unterhalb der Kufsteiner Straße fehlen vielfach die statisch tragenden Innendichtungen. Die erforderliche Deichhöhe wird durch provisorische Elemente hergestellt, welche die ohnehin schmalen und stark frequentierten Geh- und Radwege weiter einengen. Auf bessere Lösungen muss man hier wohl noch viele Jahre warten. Auch die Inbetriebnahme des Polders in Feldolling verzögert sich aufgrund eines Planungsfehlers allermindestens bis 2028.

Der Verband lehnt im Interesse von Natur und Naherholung Pläne ab, das ehemalige Seehotel Hubertus am Happinger See im Erbbaurecht an einen privaten Investor zu vergeben, der dort einen Neubau für eine Gaststätte mit Fremdenzimmern errichten darf. Der BN unterstützt vielmehr eine Bürgerinitiative, die mit dem Ziel „Naherholung für alle statt Profit für wenige” über 4.300 Unterschriften gesammelt hat. Eine repräsentative Umfrage zeigt: Die Besucher des Happinger Sees schätzen Natur, Abkühlung und Ruhe am meisten.

Die Ortsgruppe unterstützt auch die Initiative Radentscheid. Bei den großen Straßen tut sich hier leider viel zu wenig. Auch mehr Verkehrsberuhigung und neue Einbahnstraßen in der Innenstadt stoßen nicht überall auf positive Resonanz. Wie schon im Jahr zuvor machte eine große Fahrrad-Demo den Wunsch nach besserer Infrastruktur für diesen Verkehrsträger deutlich.

Selbstverständlich engagierte sich die Ortsgruppe wieder bei der Organisation und Teilnahme am Umwelttag für Stadt und Landkreis Rosenheim. Mit der Initiative „Rosenheimer Energiedialoge” möchte sie auch zukünftig Energiewende und Nachhaltigkeit in der Region unterstützen. Zudem wurde die Kooperation mit der VHS Rosenheim-Inntal in Form einer Biber-Ausstellung und einer Sonderführung auf dem Stadtökologischen Themenweg fortgeführt.

Die Ortsgruppe bezog außerdem klar Stellung zu den Themen „Marienberger Straße Nord“, „Bebauung Kastenauer Hof“, „Gewerbegebiet Hanserfeld“ sowie „Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK)“. 

Links:

BN-Artikel zur Bebauung an der Krainstraße: „Breitwasser wäre besser als Hochwasser“
https://rosenheim.bund-naturschutz.de/aktuelles/artikel/breitwasser-waere-besser-als-hochwasser

BN-Artikel zum Happinger See: „Natur und Naherholung in Gefahr“
https://rosenheim.bund-naturschutz.de/brennpunkte-vor-ort/happinger-see

Neues vom Radentscheid
https://www.radentscheid-rosenheim.de/category/neues-vom-radentscheid/

BN-Artikel zum Umwelttag 2025
https://rosenheim.bund-naturschutz.de/aktuelles/artikel/umwelttag-fuer-stadt-und-landkreis-rosenheim-2025-wieder-ein-erfolg

BN-information zu den “Rosenheimer Energiedialogen”
https://rosenheim.bund-naturschutz.de/oeko-tipps/rosenheimer-energiedialoge

Veröffentlichungen der BN-Ortsgruppe Rosenheim
https://rosenheim.bund-naturschutz.de/ortsgruppen/rosenheim/veroeffentlichungen

Zur BN-Ortsgruppe Rosenheim